US-Außenminister Rex Tillerson wird nicht am Nato-Treffen am 5. und 6. April in Brüssel teilnehmen. Das teilte ein Vertreter des Außenministeriums mit, zuerst hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Quellen aus dem Außenministerium darüber berichtet. Staatssekretär Tom Shannon werde Tillerson in Belgien vertreten.

Dem Bericht zufolge erwartet Tillerson die Nato-Vertreter bereits diese Woche bei Gesprächen zu der von den USA angeführten Allianz im Kampf gegen den "Islamischen Staat". Deshalb sei die Reise nach Brüssel nicht unbedingt nötig, hieß es aus Behördenkreisen. Außerdem habe Tillerson mit vielen seiner Amtskollegen bereits im vergangenen Monat beim G20-Treffen in Bonn gesprochen.

Statt des Nato-Treffens in Brüssel wolle Tillerson an Gesprächen von Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am 6. und 7. April teilnehmen. Ein ehemaliger Nato-Diplomat und ein ehemaliger Regierungsvertreter der USA sagten, die Allianz habe angeboten, ihr Treffen so zu verschieben, dass es keine Überschneidungen mit dem Besuch Xis gebe. Das US-Außenministerium habe diese Idee aber zurückgewiesen.

Wie das US-Außenministerium bestätigte, plane Tillerson für den 12. April einen Besuch in Moskau. Frühere US-Regierungsvertreter äußerten die Sorge, dass diese Terminplanung womöglich Beunruhigung unter Verbündeten der USA auslösen könnte. Mit seinem Besuch in Moskau könne Tillerson außerdem den Eindruck erwecken, dass die Vereinigten Staaten mit Russland kooperieren statt mit westlichen Bündnispartnern Dialog zu führen.

Wie nahe steht Tillerson Russland?

Tillersons Absage an den Nato-Gipfel in Brüssel und sein anschließender Besuch in Moskau fällt in eine Zeit, in der das FBI ermittelt, ob es Kontakte zwischen der Regierung in Moskau und Personen in Trumps Wahlkampfteam gegeben hat. Bereits der Sicherheitsberater und General Michael Flynn musste wegen dubioser Kontakte nach Russland zurücktreten. Auch Justizminister und Generalstaatsanwalt Jeff Sessions wurde beschuldigt, sich während des Wahlkampfs mehrmals mit dem russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, getroffen zu haben.

James Comey - FBI prüft Trump-Russland-Verbindung Das FBI ermittelt wegen möglicher russischer Wahlkampfeinmischungen auch gegen Trumps Team. Für Trumps Vorwurf, er sei abgehört worden, sieht FBI-Chef Comey keine Belege. © Foto: Joshua Roberts/Reuters

Wie die New York Times unter Berufung auf "vier derzeitige und frühere amerikanische Behördenvertreter" im Februar berichtete, belegen abgefangene Telefonate und Mitschnitte von Telefongesprächen, dass Mitarbeiter aus Trumps Wahlkampfteam wiederholt mit russischen Geheimdienstlern in Kontakt getreten seien.

Trump hat sich wiederholt positiv über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert und nannte ihn unter anderem einen "starken Anführer". Trump hatte in der Nato für Verunsicherung gesorgt, als er im Dezember sagte, das Verteidigungsbündnis sei "obsolet". In der vergangenen Woche bekannte sich der US-Präsident beim Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar zur Nato, bekräftigte aber auch seine Forderung, dass Mitgliedsstaaten sich finanziell stärker beteiligen müssten, sollten sie die Schutzgarantie der USA einfordern.

Bei der Opposition stießen die Pläne Tillersons auf Kritik: Der oberste Demokrat im Außenausschuss des Repräsentantenhauses, Eliot Engel, sprach von einem ernsthaften Fehler, der das Vertrauen in das wichtigste Bündnis der USA erschüttern und Sorgen schüren könnte. Trumps Regierung dürfe nicht auf Kuschelkurs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehen.

In seiner früheren Funktion als Spitzenmanager des Ölkonzerns Exxon Mobil hatte Tillerson jahrelang mit der russischen Regierung zusammengearbeitet. Im Juni 2013 vergab Wladimir Putin den "Orden der Freundschaft" an Tillerson. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die Beitrage zur Förderung der Freundschaft und Kooperation mit der russischen Föderation honoriert.