Unmittelbar vor dem geplanten Abflug von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist ihr erstes Treffen mit US-Präsident Donald Trump verschoben worden. Trump habe sie angerufen und wegen eines heraufziehenden Unwetters das Treffen abgesagt, sagte Merkel.

Der Besuch solle auf Freitag verschoben werden. Trumps Sprecher Sean Spicer nannte ebenfalls den erwarteten Schneesturm an der US-Ostküste als Grund. Merkel sagte, sie habe mit Trump telefoniert, der habe ihr die schlechte Wetterlage in Washington geschildert. Daraufhin hätten sie gemeinsam entschieden, die Reise zu verschieben.

Hauptthemen bei dem Treffen sollten nach deutschen Regierungsangaben die Beziehungen der USA zu Deutschland und der Europäischen Union als Handelspartner, Sicherheitspartner und Wertepartner sein. Um dem Wunsch nach einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA Ausdruck zu verleihen, wollte sich Merkel nach Spiegel-Informationen von Siemens-Chef Joe Kaeser und BMW-Chef Harald Krüger begleiten lassen. Die beiden Konzernchefs sollen demnach helfen, eine gute Gesprächsatmosphäre mit dem ehemaligen Unternehmer Trump zu schaffen.

USA - Die wichtigsten Streitpunkte zwischen Merkel und Trump Beim Treffen von Angela Merkel und Donald Trump stehen Differenzen in der Handelspolitik im Vordergrund. Doch es gibt noch weitere Konfliktfelder. © Foto: Michael Kamm, Tobias Schwarz/Getty Images

Strafzölle, TTIP und Putin

Trump hatte im Januar deutschen Autobauern mit Strafzöllen gedroht. "Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen, ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen", sagte der Präsident damals. BMW und Siemens betreiben Fabriken in den USA. BMW hat aber Pläne, im Jahr 2019 ein Werk in Mexiko zu errichten.

Trumps umstrittene Pläne zur Abschottung der US-Wirtschaft hatten unter anderem in der deutschen Wirtschaft Besorgnis ausgelöst. Merkel setzt sich für freien Handel und offene Märkte ein.

Das Weiße Haus wiederum hatte vor dem Treffen überraschend angekündigt, Trump wolle mit Merkel auch über das auf Eis gelegte Transatlantische Handelsabkommen TTIP reden. Trump hatte sich immer wieder gegen multilaterale Abkommen der USA mit mehreren Ländern gleichzeitig ausgesprochen und das eigentlich bereits zu Ende verhandelte transpazifische Abkommen TPP gekippt. Außerdem hatte Trump mitteilen lassen, er wolle von Merkel Informationen über ihre Erfahrungen mit dem russischen Präsidenten Putin erhalten.

Merkel hatte vor ihrem geplanten Abflug gesagt, sie freue sich auf das Gespräch mit Trump. Es sei besser, miteinander zu reden statt übereinander. Nach Trumps Wahlsieg im November hatte Merkel ihn zur Achtung demokratischer Grundwerte aufgerufen. Deutschland und Amerika seien durch Werte verbunden: durch Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. "Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an." Vier Monate später reist sie nun in die USA.