Dass die Prioritäten nun andere sind, zeigte sich schon an den geladenen Gästen auf der Bühne in Washington. Rund ein Dutzend Bergarbeiter hatte Donald Trump hinter sich versammelt, jeden einzelnen begrüßte der Präsident per Handschlag, bevor er das vermeintlich folgenreichste Dekret seiner jungen Präsidentschaft unterzeichnete. "Ihr wisst, was das hier bedeutet?", fragte Trump noch einmal eilig in die Runde. "Es bedeutet, dass ihr zurück an die Arbeit geht." Tatsächlich wirkte es bei der Veranstaltung am Dienstagnachmittag, als befinde sich Trump hier nicht in den Räumen der Umweltbehörde EPA, sondern im Arbeitsministerium.

Dabei zielt die jüngste präsidentielle Verordnung ins Herz der US-amerikanischen Umweltpolitik. Mit der Energy Independent Action will Trump sämtliche Regulierungen zurückdrehen, mit denen Obama unter anderem den CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken deutlich reduzieren und die Methangasemission in der Erdöl- und Gasgewinnung bremsen wollte. Dessen Clean Power Plan hatte vorgesehen, in den kommenden Jahren Hunderte von Kraftwerken zu schließen, die die Richtlinien nicht einhalten, den Bau neuer Kraftwerke zu stoppen und sie stattdessen großflächig durch Wind- und Solarenergie zu ersetzen.

Trump dagegen plant die Rückkehr Amerikas zur Kohlesupermacht. Mit dem kühnen Versprechen, die Jobs der Bergarbeiter zurückzuholen und vermeintlich erdrückende Regulierungen zu beseitigen, hatte Trump sich die Stimmen in industriellen Hochburgen wie Pennsylvania oder West Virginia gesichert, die vom Rückgang der Kohleindustrie empfindlich getroffen wurden. Beschäftigte die Branche 2008 noch rund 87.000 Bergarbeiter, waren es zuletzt noch knapp 65.000. Trump hatte sich in den Monaten vor der Wahl deshalb zum Champion der gebeutelten Schwerindustrien erklärt. "Der Krieg gegen die Kohle ist vorbei", versprach der Präsident nun am Dienstag.

US-Präsident Donald Trump mit Bergarbeitern nach seiner Unterschrift unter das Dekret zur Klimapolitik © Ron Sachs-Pool/Getty Images

Allerdings wird er es schwer haben, dieses Versprechen einzulösen. Experten verweisen regelmäßig darauf, dass an dem Einbruch der Kohlebranche nicht die Regulierungen aus Washington schuld seien, sondern vor allem günstigere Alternativen wie Erdgas und die zunehmende Automatisierung. Der Kohleverbrauch ist mit rund 739 Millionen Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit fast vier Jahrzehnten, seit 2012 hat die US-Regierung nur eine neue Pacht für die Kohlegewinnung auf öffentlichem Gelände vergeben – im selben Zeitraum meldeten 50 Betreiber Konkurs an. Auch an der Energieunabhängigkeit des Landes ändert Trumps Verordnung wenig: Kohle wird nicht importiert, sondern im Gegenteil seit Jahren an Länder wie China verkauft.

Zudem könnte sich die rechtliche und inhaltliche Umsetzung im schlimmsten Fall über Jahre hinziehen, weil die Regierung per Gesetz nicht nur Gegenvorschläge für die Regulierungen ausarbeiten, sondern die Änderungen auch in einem langwierigen Prozess rechtfertigen muss. Viele Bestimmungen, glauben Beobachter, könnten am Ende bestenfalls geschwächt, nicht aber völlig umgekehrt werden.

Wie kompliziert das Verfahren ist, musste schon Obama feststellen. Der Clean Power Plan, den Trump mit seiner neuen Verordnung bereits abwickeln will, ist selbst bis heute nicht in Kraft. Die finale Version lag noch nicht vor, da hatten 12 Bundesstaaten – unter Leitung des jetzigen Chefs der Umweltbehörde Scott Pruitt – bereits gegen die Regulierungen geklagt. Seitdem hängt Obamas Plan vor Gericht fest. Der oberste Gerichtshof hatte zuletzt entschieden, mit der Umsetzung dürfe erst begonnen werden, wenn der rechtliche Streit beigelegt ist.