Das US-Militär hat eine Mitschuld am Tod etlicher Zivilisten in der irakischen Stadt Mossul nicht ausgeschlossen. "Meine erste Einschätzung ist, dass wir wahrscheinlich an den Todesopfern beteiligt waren", sagte der US-Kommandeur der Anti-IS-Mission, General Stephen Townsend, und bezog sich damit auf einen Vorfall am 17. März, bei dem es im Westen der umkämpften Stadt zu einer großen Explosion gekommen war. Verschiedenen Berichten zufolge sollen dabei mehr als 100 Zivilisten getötet worden sein.

Nach Angaben von Townsend untersucht das US-Zentralkommando den Vorfall. Bereits jetzt sei aber klar, dass es in der Gegend zu dem Zeitpunkt mehrere US-Luftangriffe gegeben habe. Der General beteuerte, man habe nicht absichtlich Zivilisten angegriffen. Kritiker werfen der neuen US-Regierung indes vor, die Luftangriffe verschärft zu haben und weniger Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen. Townsend wies diese Darstellung zurück. Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz Unbeteiligter seien nicht gelockert worden.

Seit Mitte Februar versuchen die irakischen Streitkräfte und die von den USA angeführte Militärkoalition die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus ihrer letzten Hochburg im Irak zu vertreiben. Die Extremisten hatten die zweitgrößte irakische Stadt im Sommer 2014 unter seine Kontrolle gebracht, die Kontrolle über die Viertel und Gebiete im Osten aber wieder verloren. Die Dschihadisten wollen ein länderübergreifendes Kalifat errichten, Mossul und die nordsyrische Stadt Rakka betrachten sie dabei als vorläufige Hauptstädte ihrer Bewegung.

Nach Angaben der Vereinten Nationen schrecken sie dabei auch vor menschenverachtenden Methoden nicht zurück. Das UN-Menschenrechtskommissariat berichtete von 307 Zivilisten, die getötet wurden, indem sie vom IS als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden. Demnach treiben die Extremisten Zivilisten in Häusern mit Sprengstofffallen zusammen. Bei Fluchtversuchen würden sie von den Terroristen erschossen.

UN-Hochkommissar Seid Raad al-Hussein mahnte die irakische Armee und die US-geführten Alliierten, die perfiden Methoden des IS bei ihren Kampfeinsätzen zu beachten. Die Attacken der Streitkräfte forderten immer häufiger auch zivile Opfer. Die Bombardierung von IS-Stellungen in dicht besiedelten Gebieten werde schnell zur tödlichen Falle für Zivilisten.