"Ich werde jetzt etwas tun, das ich noch nie getan habe." Richard Burr bemühte sich schon im Vorfeld der Anhörung im US-Senat, in der es um die Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl ging, mögliche Zweifel an seiner Entschlossenheit auszuräumen. "Ich werde Ihnen sagen, dass ich für Donald Trump gestimmt habe", sagte der republikanische Vorsitzende des Ausschusses. Jetzt, da das geklärt sei, wolle er seinen Job im Senat machen – und zwar ohne Rücksicht auf Partei und Präsident. Man werde dort ermitteln, "wo uns die Informationen hinführen", sagte Burr. 

Das Komitee hatte eine ganze Reihe von Experten für Cyberspionage und Russland-Kenner zur Anhörung geladen. Ob Personen aus dem Umfeld von Präsident Trump tatsächlich direkt mit Moskau zusammengearbeitet haben, wurde zwar genauso wenig beantwortet wie die Frage, in welchem Umfang Russland in die Wahlen eingegriffen hat. Doch das Moskau involviert war, darüber herrschte parteiübergreifende Einigkeit. "Dass Russland versucht, die USA und den Westen zu diskreditieren, ist nichts Neues", sagte Burr. Es brauche eine gemeinsame Antwort, um Moskaus Aktionen zu bekämpfen.

Die geriet in der ersten öffentlichen Anhörung im Senat zu einer mehrstündigen Erklärrunde, in der die Experten technische Details russischer Cyberattacken ausbreiteten und tief in die Geschichte russischer Einflussnahmen nicht nur in den USA eintauchten. "Trolle, Tweets und Fake-News sind heute ein zentraler Bestandteil der russischen Außenpolitik", sagte der Russlandexperte Eugene Rumer, der bis 2014 Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der USA war.

Neue Erkenntnisse brachte das nicht. Ändern könnte das jedoch Trumps ehemaliger Sicherheitsberater Mike Flynn. Das Wall Street Journal berichtete am Abend der Senatsanhörung, Flynn sei bereit, gegen die Zusage von Immunität in der Russland-Affäre auszusagen. "General Flynn hat eine Geschichte zu erzählen, und er will sie erzählen, wenn die Umstände es erlauben", zitiert die Zeitung seinen Anwalt. Flynn war von Trump erst im Januar ernannt worden, musste jedoch wenige Wochen später zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er Kontakte zu russischen Staatsangestellten verschwiegen hatte. 

Die demonstrative Gründlichkeit im Senat ist kein Zufall. Vor allem für die Republikaner sind die Untersuchungen über die Rolle Russlands in den US-Wahlen zu einem Glaubwürdigkeitstest geworden. In den vergangenen Tagen hatten sich die Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittlungen im Kongress gehäuft, vor allem aufgrund eines Konflikts im Ausschuss des Repräsentantenhauses, der sich ebenfalls mit dem Thema befasst.

Dessen Vorsitzender, der republikanische Abgeordnete Devin Nunes aus Kalifornien, hatte in einer Pressekonferenz erklärt, dass er über Informationen verfüge, nach denen Personen aus dem Umfeld des Präsidenten im Rahmen von Abhöraktionen ebenfalls abgehört worden seien.