Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat die Rechtspopulisten in Europa zum gemeinsamen Handeln aufgerufen. Sie müssten sich gegen die "unheilige Allianz der Brüsseler Bürokraten, der liberalen Weltmedien und unersättlicher internationaler Kapitalisten" zur Wehr setzen, sagte Orbán in einer Rede in Budapest vor Tausenden Anhängern. Es gelte, die nationale Unabhängigkeit und Souveränität der Staaten zu erhalten. "Wir müssen Brüssel stoppen, unsere Grenzen verteidigen und Massen-Umsiedlung verhindern." 

Orbán, dessen Fidesz-Partei sich 2018 der Wiederwahl stellen muss, verlangte eine "tiefgreifende, aber friedliche" Umgestaltung Europas.

Orbán sprach aus Anlass des Jahrestages des Beginns der ungarischen Revolution von 1848/49, die sich gegen die Habsburger Herrschaft richtete. Die damalige "Heilige Allianz" der Monarchien Preußen, Österreich und Russland hätte den Frieden sichern sollen, habe aber die nach Freiheit strebenden Nationen unterjocht, sagte der rechtskonservative Politiker.

Heute würde wieder der "Wind von 1848/49" wehen. Die Rebellion gegen die "scheinheilige Allianz" von heute werde sich in diesem Jahr fortsetzen. Orbán spielte auf die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich an, bei denen rechtspopulistischen Kräften gute Chancen nachgesagt werden.

Unter Orbán hat Ungarn wiederholt Konflikte mit der Europäischen Union in Brüssel ausgefochten. Insbesondere die Flüchtlingspolitik sorgte für Streit. Orbánbezeichnete sie als Bedrohung der sozialen und wirtschaftlichen Struktur Europas.

Kritikern in seinem eigenen Land gilt Orbán seinerseits als Unterdrücker der Freiheit. Hunderte Demonstranten begleiteten seine Ansprache mit einem Pfeifkonzert, viele von ihnen waren Anhänger der kleinen Oppositionspartei Együtt ("Gemeinsam"). Die Polizei hatte die Gegenkundgebung zunächst untersagt, weil die Trillerpfeifen die "Würde der Nation" gestört hätten. Das zuständige Gericht hob das Verbot allerdings wieder auf. 

Niederlande - Das Populisten-Experiment Der österreichische Künstler Peter Reischl hat die Amsterdamer mit Redeausschnitten von Geert Wilders beschallt. Ist das Propaganda, fragten sich einige und griffen ein. © Foto: Ruben Gischler/ZEIT ONLINE