Anschläge auf Kirchen - Ägyptens Präsident kündigt Ausnahmezustand an Nach den Anschlägen auf Kirchen koptischer Christen mit 27 Toten soll in Ägypten drei Monate lang der Ausnahmezustand gelten, hat Präsident Al-Sissi angekündigt. Der IS hat die Taten für sich reklamiert. © Foto: Mohamed El-Shahed/AFP/Getty Images

Nach den verheerenden Anschlägen in Ägypten hat Präsident Abdel Fattah al-Sissi für die nächsten drei Monate den Ausnahmezustand angekündigt. Dieser trete in Kraft, sobald die notwendigen verfassungsrechtlichen Schritte vollzogen seien, sagte er in einer Fernsehansprache. Dazu gehört auch die Zustimmung des Parlaments. In der Vergangenheit konnten Polizisten im Ausnahmezustand ohne Haftbefehl und richterliche Anordnung Ausgangssperren verhängen, Menschen verhaften und Wohnungen durchsuchen.

Al-Sissi sagte, dies geschehe, um das Land zu schützen. Er kündigte auch eine neue Ermittlungsbehörde "zur Bekämpfung von Terror und Extremismus" an. Erweiterte Befugnisse sollen den Sicherheitskräften das Vorgehen gegen Extremisten erleichtern. Zuvor hatte er bereits den landesweiten Einsatz des Militärs angeordnet. Die Armee solle die Polizei beim Schutz von wichtigen Einrichtungen unterstützen.

Am Sonntag waren bei einer Explosion in einer koptischen Kirche in der nordägyptischen Stadt Tanta mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 78 verletzt worden, berichtete das Staatsfernsehen. Wenige Stunden später sprengte sich den Angaben zufolge ein Selbstmordattentäter außerhalb einer Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria in die Luft. Hier seien mindestens 17 Menschen getötet und weitere 48 verletzt worden, teilte die Regierung in Kairo mit.

Ägypten - Augenzeugen berichten über den Anschlag auf Kopten Am Palmsonntag haben Attentäter zwei koptische Kirchen in Ägypten angegriffen. In der Stadt Tanta, wo mindestens 27 Menschen dabei getötet wurden, berichten Augenzeugen über den Anschlag. © Foto: Mohamed El-Shahed/AFP/Getty Images

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Taten für sich und drohte mit neuer Gewalt gegen Christen. Koptische Christen protestierten gegen die Regierung, weil sie sich nicht gut genug geschützt fühlen. Der IS, dessen Ableger im Norden der ägyptischen Sinaihalbinsel aktiv ist, hatte Angriffe auf Christen angekündigt.

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte den Anschlag. "Die Terroristen versuchen nicht nur, die Menschen einzuschüchtern, sie wollen auch Zwietracht zwischen den Vertretern verschiedener Konfessionen säen", hieß es in einem Schreiben Putins an Al-Sissi. Alle Länder müssten im Kampf gegen Terrorismus eng zusammenarbeiten. Der Iran sprach sich ebenfalls gegen den Anschlag und für eine Zusammenarbeit aus. "Das war ein widerlicher und feiger Anschlag gegen schutzlose Menschen an einem heiligen Ort", sagte der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. 

Koptische Christen sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und stellen in Ägypten rund zehn Prozent der 94 Millionen Einwohner. Trotzt Spannungen leben sie größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Dennoch sind Kopten immer wieder Ziel von gewaltsamen Übergriffen islamistischer Extremisten geworden. Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hatten die Angriffe auf Christen in dem Land zeitweise zugenommen. Unter Mursis Nachfolger Al-Sissi beruhigte sich die Lage wieder etwas.