Ägypten - Viele Tote bei Explosion in koptischer Kirche In der nordägyptischen Stadt Tanta ist es in einer Kirche am Palmsonntag zu einer Explosion gekommen. Kopten bilden die größte christliche Minderheit im Nahen Osten. © Foto: EPA/REX/Shutterstock

Nach zwei Anschlägen auf die christliche Minderheit in Ägypten hat Staatspräsident Abdel Fattah al-Sissi den nationalen Sicherheitsrat einberufen und anschließend den Befehl zur "sofortigen Abstellung von Armeeeinheiten" im gesamten Land gegeben. Damit solle die Polizei unterstützt werden, hieß es. Das Militär soll dabei helfen, wichtige Gebäude zu schützen. 

Am Sonntag waren bei einer Explosion in einer koptischen Kirche in der nordägyptischen Stadt Tanta mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 78 verletzt worden, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der Sprengsatz wurde während des gut besuchten Gottesdienstes zum Palmsonntag gezündet. Die Universitätsstadt hat 445.000 Einwohner und liegt zwischen Kairo und der Küstenstadt Alexandria im Nildelta.

Wenige Stunden später sprengte sich den Angaben zufolge ein Selbstmordattentäter außerhalb einer Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria in die Luft. Hier seien mindestens 17 Menschen getötet und weitere 48 verletzt worden, teilte die Regierung in Kairo mit. Nach Darstellung des Innenministeriums hielten Sicherheitskräfte den Mann zuvor davon ab, in die Kirche einzudringen.

Am Nachmittag bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) offenbar zu den Attentaten. "Kommandos des 'Islamischen Staats' haben die Angriffe auf die beiden Kirchen in Tanta und Alexandria ausgeführt", teilte die Agentur Amaq, das Propagandasprachrohr des IS, im Internet mit. Auch drohte der IS mit weiteren Anschlägen. Die Mitteilungen konnte zunächst jedoch noch nicht unabhängig auf Echtheit untersucht werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte den Anschlag. "Die Terroristen versuchen nicht nur, die Menschen einzuschüchtern, sie wollen auch Zwietracht zwischen den Vertretern verschiedener Konfessionen säen", hieß es in einem Schreiben Putins an Al-Sissi. Alle Länder müssten im Kampf gegen Terrorismus eng zusammenarbeiten. "Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", schrieb der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter.

Ägypten - Augenzeugen berichten über den Anschlag auf Kopten Am Palmsonntag haben Attentäter zwei koptische Kirchen in Ägypten angegriffen. In der Stadt Tanta, wo mindestens 27 Menschen dabei getötet wurden, berichten Augenzeugen über den Anschlag. © Foto: Mohamed El-Shahed/AFP/Getty Images

Die größte Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten

Koptische Christen sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und stellen in Ägypten rund zehn Prozent der 94 Millionen Einwohner. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen, auch wenn es vereinzelt Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten, gibt. Dennoch sind Kopten immer wieder Ziel von gewaltsamen Übergriffen islamistischer Extremisten geworden. Im Februar dieses Jahres etwa mussten Hunderte aus dem Norden der unruhigen Sinaihalbinsel fliehen, nachdem mehrere koptische Christen mutmaßlich von der Terrormiliz IS ermordet worden waren.

Im Dezember waren bei einem Selbstmordattentat auf die größte Kathedrale der Kopten in Kairo mindestens 25 Menschen getötet worden. Es war der schwerste Angriff auf die koptische Gemeinde in Ägypten seit dem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria, bei dem am Neujahrstag 2011 mehr als 20 Menschen getötet worden waren.

Nach dem schweren Anschlag am Palmsonntagmorgen hat Papst Franziskus dem Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., und dem ägyptischem Volk sein Beileid bekundet. Bereits seit Längerem hat Papst Franziskus für Ende April einen Besuch in Kairo geplant. Dabei will er auch seine Solidarität mit den Kopten zum Ausdruck bringen.