Die Teilnehmer einer großen Afghanistan-Konferenz in Moskau haben die radikalislamistischen Taliban zu Friedensgesprächen aufgefordert. Die Taliban-Führung solle von einer gewaltsamen Lösung des Konflikts abrücken und mit der Regierung in Kabul Verhandlungen aufnehmen, sagten Vertreter des russischen Außenministeriums. Mögliche Friedensgespräche könnten in Moskau stattfinden.

Ein Friedensprozess in dem von Gewalt geprägtem Land Afghanistan scheiterte bisher an der mangelnden Bereitschaft der Taliban, mit der Regierung zu verhandeln. Die islamistische Terrorgruppe hat bislang alle Angebote abgelehnt. Sie nahmen auch nicht an der Konferenz in der russischen Hauptstadt teil.  

Neben Experten aus Russland und Afghanistan nahmen an dem Treffen Vertreter aus China, dem Iran, Indien und Pakistan sowie den fünf zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken teil. Vertreter aus Nato-Staaten oder der UN waren nicht beteiligt.

USA griffen IS in Afghanistan am Vortag mit Bomben an

Die USA, die bisherige Schutzmacht der afghanischen Regierung, hatten eine Teilnahme abgelehnt. Erst am Donnerstag hatte die US-Armee einen massiven Bombenangriff auf Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staats" in dem Land gestartet. Nach Angaben von afghanischen Behörden wurden dabei mindestens 36 IS-Kämpfer getötet. Der IS dementierte, dass es in den eigenen Reihen Todesopfer gegeben hätte. Russische Beobachter kritisierten den Angriff  als Demonstration der Stärke kurz vor der Konferenz.

Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Terrorismus als größte Gefahr, die von Afghanistan ausgehe. Im TV-Sender Mir sprach auch er sich für Gespräche mit den Taliban aus. Die NATO und die USA werfen Russland vor, die Taliban mit Waffen zu versorgen; Russland bestreitet das.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, dass das internationale Engagement in Afghanistan nur dann zu dauerhafter Stabilität beitragen könne, wenn endlich ein Friedensprozess in Gang komme. Damit die Taliban bereit seien, auf den militärischen Kampf zu verzichten, "muss die ausländische Unterstützung für sie aufhören".