Die französische Regierung hat ein Dekret zur Stilllegung des umstrittenen Atomkraftwerkes Fessenheim erlassen. Die Anordnung für das AKW unweit der Grenze zu Deutschland wurde am Sonntag im französischen Amtsblatt veröffentlicht. Die französische Umweltministerin Ségolène Royal gab die Entscheidung auf Twitter bekannt. Die Sozialistin hatte den Schritt vor einigen Tagen angekündigt.

Das Dekret macht die Schließung allerdings davon abhängig, dass ein moderner Atomreaktor im nordwestfranzösischen Flamanville in Betrieb genommen wird. Die Inbetriebnahme dieses Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) dürfte frühestens 2019 erfolgen.

Umweltschützer sehen das älteste französische Atomkraftwerk schon lange als Sicherheitsrisiko. In dem Atomkraftwerk, das 30 Kilometer südwestlich von Freiburg liegt, gibt es immer wieder Pannen und Zwischenfälle. Kritiker verweisen zudem auf das Erdbebenrisiko in der Region.

Der neue EPR-Reaktor in Flamanville hätte ursprünglich schon 2012 in Betrieb gehen sollen, bei seinem Bau traten aber immer neue Schwierigkeiten auf. Frankreichs Präsident François Hollande hatte ursprünglich versprochen, die beiden 40 Jahre alten Fessenheimer Reaktoren bis Ende 2016 abzuschalten.

Der Verwaltungsrat des Stromkonzerns EDF hatte am Donnerstag beschlossen, dass ein Antrag auf einen Entzug der Betriebserlaubnis von Fessenheim erst "in den sechs Monaten" vor der Inbetriebnahme des Flamanville-Reaktors eingereicht werden soll. In Deutschland hatte dies für scharfe Kritik gesorgt: Das Bundesumweltministerium sprach von einer "großen Enttäuschung" und forderte die französische Regierung auf, eine Stilllegung von Fessenheim "zügig" einzuleiten.