Ein paar Dutzend Menschen protestieren seit Wochen regelmäßig vor dem Anwesen des republikanischen Gouverneurs von Arkansas, Asa Hutchinson, in Little Rock. Sie halten Schilder mit der Aufschrift "Du sollst nicht töten" und "Beendet die Todesstrafe". Hutchinson hat angeordnet, dass ab Montag in dem US-Südstaat sieben Todeskandidaten hingerichtet werden sollen – an drei Abenden je zwei, gefolgt von einer weiteren Exekution am 27. April. Eine achte Hinrichtung hatte ein Richter vergangene Woche gestoppt.

Grund für diese beispiellose Serie von Hinrichtungen ist, dass die Haltbarkeit eines wichtigen für die Giftspritzen benötigten Medikaments am 30. April abläuft. Danach darf Arkansas vorerst keine Exekutionen mehr vornehmen.

Gegner der Todesstrafe riefen für diesen Karfreitag zu einer Kundgebung vor dem Capitol des Bundesstaates auf. Sie rechneten mit Hunderten Teilnehmern. Aber in dem konservativen Südstaat waren die Proteste bislang nicht sehr groß. Eine starke Mehrheit der Bewohner unterstützt die Todesstrafe.

"Selig sind die Gnädigen"

Ein entschiedener Kritiker des Hinrichtungsplans ist Damien Echols, der fast 18 Jahre im Todestrakt von Arkansas verbrachte, ehe er und zwei weitere 2011 freigelassen wurden. Echols will an der Kundgebung teilnehmen, wie auch Jason Baldwin, der wegen der Morde 1993 an drei Jungen in West Memphis verurteilt und später wieder freigelassen worden war.

Schwester Helen Prejean, die im Film Dead Man Walking dargestellt wurde, kämpft auf Twitter ebenfalls gegen die Hinrichtungen. Sie twitterte auch die Telefonnummern von Hutchinson und Generalstaatsanwältin Leslie Rutledge. Am vergangenen Sonntag hatte der Gouverneur einen Bibelvers getwittert, in dem Gott gelobt wurde. Darauf antwortete Prejean mit einem eigenen Vers: "Selig sind die Gnädigen."

Der aus Arkansas stammende Schriftsteller John Grisham schrieb in der Zeitung USA Today, die Hinrichtungsserie untergrabe "den Ernst unseres Rechtsverfahrens und der Todesstrafe selbst".

Die Gegner appellieren auch an die christliche Gesinnung des Gouverneurs. Etwa 200 Religionsvertreter unterschrieben einen Brief, in dem sie ihn aufforderten, die Todesstrafen der Häftlinge in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln. Die Hinrichtungen hätten negative Auswirkungen auf alle Beteiligten, schrieben sie.

Pharmahersteller wehren sich gegen Verwendung ihrer Medikamente für Hinrichtungen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte ebenfalls, die ab Montag geplanten Hinrichtungen zu stoppen. Bei den insgesamt acht Todeskandidaten gebe es zahlreiche rechtliche Bedenken, erklärte die AI-Amerika-Direktorin Erika Guevara Rosas. So litten zwei von ihnen an psychischen Störungen und dürften daher nach internationalem Recht nicht hingerichtet werden.

Die Pharmaunternehmen Fresenius Kabi USA und West-Ward Pharmaceuticals Corporation baten einen Bundesrichter, Arkansas daran zu hindern, ihre Medikamente für die Hinrichtung der Häftlinge zu verwenden. Sie seien dagegen, dass ihre Produkte für die Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt würden.

Der Gouverneur hält jedoch an seinem Hinrichtungsplan fest. In einer Stellungnahme erklärte er, die Familien der Opfer hätten nicht nur den Verlust ihrer Angehörigen durch "brutale Morde" hinnehmen müssen, sie hätten auch eine "nicht endende Überprüfung dieser Fälle Jahr für Jahr für Jahr" erlebt. Jetzt anzudeuten, dass die Fälle erneut aufgeschoben werden sollten, zeige "eine unglaubliche Menge an Gefühllosigkeit".