Die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA versetzen die Staaten Südostasiens in immer größere Sorge: Auf dem Gipfel der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) in Manila äußerten sich die Staats- und Regierungschef der zehn Mitgliedsländer "extrem beunruhigt". Der Gastgeber, der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, forderte die Vereinigten Staaten dazu auf, "vorsichtig und geduldig" zu bleiben. Jede Fehleinschätzung könne in einer "Katastrophe" enden.

"Jeder ist besorgt, niemand klatscht Beifall", sagte Duterte zu den jüngsten Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel. Zugleich warnte er vor einem Krieg: Wenn es dazu kommen sollte, werde die gesamte Region "unermesslich" leiden.

Zuvor hatten die Außenminister der teilnehmenden Länder an Nordkorea appelliert, sich an das Völkerrecht und die einschlägigen UN-Resolutionen zu halten. In den jüngsten Entwicklungen sah Duterte außerdem einen "Test" für die Entschlossenheit von Asean, Frieden, Wohlstand und Sicherheit voranzubringen.

Trotz Warnungen der USA und der internationalen Gemeinschaft hatte Nordkorea am Freitag erneut eine ballistische Rakete abgefeuert. Der Raketentest scheiterte zwar, laut Staatsmedien hält Nordkorea jedoch am Ziel fest, eine Nuklearrakete zu entwickeln, die das US-Festland erreichen kann. US-Außenminister Rex Tillerson sagte bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates, dass es "katastrophale Konsequenzen" haben könnte, sollte Pjöngjang nicht zur Aufgabe des Atom- und Raketenprogramms gezwungen werden.

Singapur will Kontakte zu USA und China ausbauen

Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong rief dazu auf, sowohl die Kontakte zu China als auch zu den USA auszubauen. "Dies ist eine Zeit des Wandels in der Welt. Sowohl die USA als auch China bestimmen ihre Richtlinien neu", sagte Hsien Loong. Die Gemeinschaft südostasiatischer Staaten müsse deutlich machen, "dass wir unsere Beziehungen mit beiden Mächten ausbauen wollen".

Weiteres Thema auf dem Gipfel war der Streit zwischen mehreren Asean-Mitgliedern und China um Inseln im Südchinesischen Meer. Im Entwurf der Abschlusserklärung verzichtete die Gemeinschaft jedoch auf schärfere Töne gegen die Volksrepublik.

Donald Trump bei nächstem Asean-Gipfel zu Gast?

Aus Sorge vor einem Anschlag wurde der Gipfel von mehr als 40.000 Soldaten und Polizisten geschützt. Kurz vor Beginn war wenige Kilometer vom Tagungsort eine Bombe explodiert. Dabei wurden am Freitagabend mindestens 14 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte die Tat jedoch nichts mit dem Gipfel zu tun. Es soll sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen zwei kriminellen Banden gehandelt haben.

An dem Gipfel in Manila nehmen die Staats- und Regierungschefs der zehn Asean-Mitglieder teil. Asean wurde 1967 von den Gründungsmitgliedern Indonesien, Thailand, die Philippinen, Malaysia und Singapur ins Leben gerufen. Der Gipfel markiert das 50-jährige Bestehen der Gemeinschaft. Im Lauf der Jahre wurde die Union um Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha erweitert. Als elftes Land könnte Osttimor folgen.

Mit 625 Millionen Einwohnern ist Asean heute größer als die Europäische Union. Im November will US-Präsident Donald Trump beim nächsten Asean-Gipfel dabei sein, der erneut auf den Philippinen stattfindet. Duterte wollte noch am Wochenende ein Telefonat mit ihm führen.