In Nigeria verhandelt die Regierung nach Angaben des Präsidenten mit der Terrormiliz Boko Haram über die Freilassung verschleppter Mädchen. Ein Sprecher des Präsidenten sagte dem britischen Sender BBC, bei den Verhandlungen seien mehrere Länder als Vermittler tätig. Dazu gehört auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Die Hilfsorganisation und die Schweizer Regierung waren bereits an Verhandlungen im vergangenen Jahr beteiligt, nach denen rund 20 Schülerinnen freigelassen wurden.

Bei den aktuellen Gesprächen gehe es konkret um die Freilassung der mehr als 200 Schülerinnen, die fast genau vor drei Jahren in Chibok im Nordosten Nigerias im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren entführt worden waren. Der Aufenthaltsort der Mädchen ist den Behörden nicht bekannt.

Die Regierung fordere auch die Freilassung aller anderen Geiseln, die in der Gewalt von Boko Haram sind, sagte der Sprecher des nigerianischen Präsidenten. Die Verhandlungen seien aber äußerst schwierig und kompliziert. Sie würden "Ausdauer und Geduld" erfordern. Die Armee setze ihre Aktionen fort, um den Nordosten "von den immer noch präsenten Terroristen zu befreien, insbesondere den Sambisa-Wald".

In der Hauptstadt Abuja und in der Wirtschaftsmetropole Lagos finden an diesem Freitag auf Initiative der Gruppe Bring Back Our Girls (Bringt unsere Mädchen zurück) Kundgebungen aus Anlass des Jahrestags der Verschleppung statt.

Laut einem Unicef-Bericht wurden in den vergangenen Jahren Tausende Kinder und Jugendliche von Boko Haram verschleppt. Die Minderjährigen wurden als Kämpfer, Helfer oder Sexsklavinnen missbraucht. Auch soll Boko Haram sie vermehrt als Selbstmordattentäter eingesetzt haben. In Nigeria und den Nachbarländern Tschad, Niger und Kamerun sprengten sich seit 2014 insgesamt 117 Minderjährige an öffentlichen Plätzen in die Luft. Die "überwiegende Mehrheit" seien Mädchen gewesen, heißt es in dem Bericht.

Seit Jahren kämpft Boko Haram für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt seit 2009 getötet, Tausende Zivilisten verschleppt. 2,6 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben.