Türkischstämmige Bundestagsabgeordnete mehrerer Parteien haben in Deutschland lebende Türken zu einer Ablehnung der von Präsident Recep Tayyip Erdoğan angestrebten Verfassungsreform aufgerufen. Vor der Volksabstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei forderten sie den Schutz demokratischer Freiheiten, wie die Bild am Sonntag berichtet. "Nehmt eurer Familie und euren Freunden in der Türkei nicht die Freiheit, die ihr hier genießt", forderte der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir.

Sein Parteifreund Özcan Mutlu sagte: "Wer in Deutschland die Vorzüge der Demokratie genießt, sollte diese auch seinen Landsleuten in der Türkei nicht vorenthalten – deshalb Ja zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und Nein zum Verfassungsreferendum." Ähnlich äußerte sich die in der Türkei geborene Abgeordnete der Linkspartei, Azize Tank: "Ich rufe alle türkeistämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, gemeinsam für Demokratie und inneren Frieden in der Türkei einzutreten und beim Referendum mit Nein zu stimmen."

Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe forderte mit Blick auf die Entwicklungen in der Türkei eine klare Haltung: "Wir müssen die demokratischen Werte verteidigen und unsere Stimme für die Meinungsfreiheit erheben." Die CDU-Abgeordnete Cemile Giousouf sagte, die Türkei verdiene eine starke Demokratie. "So wie Deutschland, wo wir alle in Frieden leben."

In Deutschland lebende türkische Staatsbürger können seit vergangenem Montag in Berlin und mehreren anderen Städten über das Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems abstimmen, das Erdoğan mehr Machtbefugnisse verleihen würde. In der Türkei ist das Referendum für den 16. April angesetzt.