Zum ersten Mal in ihrer 188-jährigen Geschichte hat die Londoner Polizei Scotland Yard eine Chefin. Die 56-jährige Cressida Dick trat ihren Dienst in der weltberühmten Behörde mit 43.000 Mitarbeitern an.

Ihre Berufung ist nicht unumstritten: Als nach den Londoner Terroranschlägen von 2005 ein unschuldiger Mann aus Brasilien von der Polizei erschossen wurde, geriet sie in die Kritik. Cressida Dick war damals mitverantwortlich für die Polizei-Operation Kratos, die weitere potenzielle Selbstmordattentäter aufspüren sollte. Den Brasilianer hatten die Behörden fälschlicherweise für einen Selbstmordattentäter gehalten.

Eine Untersuchung wies den beteiligten Polizisten schwere Fehler nach, Dick selbst wurde aber entlastet. Dass nun ausgerechnet die damalige Kratos-Leiterin zur Chefin von Scotland Yard ernannt wurde, führte dennoch zu scharfem Protest der Hinterbliebenen.

Dick wird sich auch in ihrer neuen Position mit dem Schutz vor Terroranschlägen beschäftigen. Erst kürzlich hatte ein Mann bei einem Anschlag in der Nähe des Londoner Parlaments fünf Menschen getötet, unter ihnen auch einen unbewaffneten Polizisten. Etwa 50 Menschen wurden verletzt. Der Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen.

Auch die Bekämpfung von Cyberkriminalität und die auffallende Zunahme von Gewaltdelikten mit Messern und anderen Waffen werden zu Dicks Aufgaben gehören. Außerdem muss sie für die Sicherheit beim offiziellen Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in London sorgen, der für die zweite Jahreshälfte 2017 geplant ist. Fast zwei Millionen Menschen unterzeichneten eine Petition gegen den Staatsbesuch; Scotland Yard rechnet mit großen Demonstrationen.

Dick stammt aus einem Professoren-Haushalt in Oxford, seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie bei der Polizei. Sie hatte zunächst Land- und Forstwirtschaft studiert, nach ersten Karriereschritten bei Scotland Yard ging sie für ein Kriminologie-Studium nach Cambridge.

Mit 230.000 Pfund (ca. 270.000 Euro) soll das Jahresgehalt um 40.000 Pfund niedriger liegen als das ihres Vorgängers Bernard Hogan-Howe. Sie habe aus persönlichen Gründen freiwillig auf das Geld verzichtet, teilte Scotland Yard mit.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan lobte die neue Chefin : Mit ihrer ausgezeichneten Karriere bringe Dick "enorme Erfahrung und Expertise" mit. Dick selbst versicherte: "Ich werde unermüdlich dafür arbeiten, dass unsere Stadt sicher bleibt".