Nach sechs Wochen Haft in der Türkei ist dem Welt-Korrespondenten Deniz Yücel erstmals direkter Kontakt mit einem deutschen Diplomaten gewährt worden. Generalkonsul Georg Birgelen besuchte den deutschtürkischen Journalisten im Gefängnis Silivri bei Istanbul, zuvor war ein Anwalt des Generalkonsulats bei ihm. "Es geht Herrn Yücel den Umständen entsprechend gut", teilte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, später in Instanbul mit. Die Einzelhaft werde von dem 43-Jährigen aber als sehr belastend empfunden.

Yücel hatte sich am 14. Februar freiwillig der Polizei in Istanbul zur Befragung gestellt und war daraufhin in Polizeigewahrsam genommen worden. Zwei Wochen später entschied ein Haftrichter, ein Ermittlungsverfahren wegen "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda" gegen ihn einzuleiten und ihn in Untersuchungshaft zu nehmen. Diese kann in der Türkei bis zu fünf Jahre dauern. Konsularische Betreuung durch Deutschland war ihm trotz einer Zusage der türkischen Regierung wochenlang versagt worden.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte die Yücels Haftbedingung "nicht einfach". "Umso wichtiger ist, dass Deniz Yücel weiß, dass wir uns nach wie vor mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass er freikommt. Das haben wir ihm heute auch noch einmal versichert."

Bundesregierung will Haft nicht akzeptieren

Roth dankte nun den türkischen Behörden. Der Staatsminister fügte aber hinzu, der Besuch bei Yücel könne nicht der Abschluss sein, sondern die konsularische Betreuung müsse vollumfänglich gewährt werden. Dass Yücel ein kritischer Journalist sei, rechtfertige nicht, ihn zu inhaftieren, sagte Roth. Die Bundesregierung werde sich mit seiner Inhaftierung nicht abfinden. Es handele sich hier um "eine der großen Bewährungsproben in den deutsch-türkischen Beziehungen". Die deutsche Seite arbeite zudem daran, dass die Einzelhaft beendet werde.

Roth war am Montag zu politischen Gesprächen zunächst nach Ankara und dann weiter nach Istanbul gereist. Der Staatsminister hat auch mit einem Anwalt Yücels und Familienangehörigen gesprochen. Yücel rief derweil in einer über seine Anwälte übermittelten Erklärung dazu auf, die unabhängigen Tageszeitungen Cumhuriyet, Birgün und Evrensel zu abonnieren, um einen "konkreten Beitrag zur Unterstützung der Pressefreiheit in der Türkei zu leisten". Er dankte zugleich für die Unterstützung, die er von der deutschen Öffentlichkeit erfahre.