Donald Trump sitzt im Oval Office, sein Vizepräsident Mike Pence steht neben ihm. "Lies mir noch einmal die Liste vor", sagt er. Die Liste seiner Errungenschaften nach den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft. Pence klappt eine Mappe auf und liest vor: Neil Gorsuch als Richter für den Supreme Court nominiert – und klappt die Mappe zu. "Gott, ich liebe diese Liste", sagt Trump.

Die Szene spielt natürlich nicht im Weißen Haus, es ist die jüngste Trump-Parodie von Alec Baldwin für Saturday Night Live. Seit Franklin D. Roosevelt 1933 als neuer Präsident inmitten der Großen Depression in kurzer Zeit mehrere große Gesetzesvorhaben umsetzte, um das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen, sind die ersten 100 Tage eines jeden Präsidenten der Moment, eine erste Bilanz zu ziehen. Die Satiriker von Saturday Night Live stellen Trump das denkbar schlechteste Zeugnis aus.

Er selbst hält von dem Mythos der 100 Tage wenig, wie er im Vorfeld jeden wissen ließ. Lächerlich sei es, twitterte er, sein Sprecher Sean Spicer wies darauf hin, dass man doch insgesamt vier, wenn nicht sogar acht Jahre Zeit habe, als Präsident das Land zu verändern. Trotzdem verfügte Trump, aus Anlass der "lächerlichen" 100 Tage ein Programm zu basteln, inklusive einem Auftritt vor Anhängern in Pennsylvania. Denn, das gehört zu Trumps Selbstverständnis: Seine Bilanz ist natürlich fantastisch und die beste. Kurz vor knapp stellte er in dieser Woche noch eilig eine Steuerreform vor, als weiteren Beweis seiner Produktivität. Wie erfolgreich aber ist Trump? Wo konnte er sich mit seiner Politik durchsetzen, wo ist er gescheitert? Eine Übersicht:

Einwanderung

Eines der wichtigsten Wahlkampfversprechen von Trump war eine neue Einwanderungspolitik. Die Zahl illegaler Immigranten sollte drastisch reduziert werden, die im Land lebenden geschätzten elf Millionen Menschen ohne Papiere verstärkt abgeschoben werden. Eine Gesetzesinitiative gibt es noch nicht, um die Einwanderungspolitik zu verändern. Trump hat aber Anweisungen unterschrieben, die es den Behörden erlauben, härter gegen illegale Einwanderer vorzugehen. So können künftig Menschen abgeschoben werden, die etwa einen Strafzettel bekommen. Laut Homeland Security war die Anzahl derer, die im März an der Grenze zwischen Mexiko und den USA aufgegriffen wurden, so niedrig wie seit 17 Jahren nicht mehr. Ob das bereits an Trumps Maßnahmen liegt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sagen.   

100 Tage Trump - Was hat Donald Trump wirklich verändert? US-Präsident Donald Trump ist seit 100 Tagen im Amt. Viele seiner politischen Vorhaben hat er angefangen, aber nicht zu Ende bringen können. Rieke Havertz, Chefin vom Dienst bei ZEIT ONLINE, zieht Bilanz. © Foto: ZEIT ONLINE

Darüber hinaus verfügte Trump einen Einreisestopp für Menschen aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern in die USA. Der "muslim ban" wurde von US-Gerichten gestoppt. Auch ein überarbeitetes neues Dekret scheiterte an juristischen Fragen. Ausgang offen.

Mauerbau

"Sie wird gebaut werden", twitterte Trump noch in dieser Woche. Noch gibt es sie nicht, und auch die Finanzierung ist ungeklärt. Eigentlich wollte Trump dieses Wahlversprechen schnell einlösen und den Bau zunächst staatlich finanzieren und sich das Geld später von der mexikanischen Regierung – wie mehrfach angekündigt – zurückholen. Nun muss der Kongress jedoch just zum 100. Tag von Trumps Amtsübernahme einen Haushalt vorlegen, damit die Regierung nicht zahlungsunfähig wird. Die Finanzierung der Mauer war in einem ersten Haushaltsentwurf verankert, die Demokraten und auch einige Republikaner sperren sich jedoch dagegen. So hieß es nun aus dem Weißen Haus, man würde die Anschubfinanzierung für die Mauer auf den Herbst verlegen. Ein Kompromiss, um den Haushalt nicht zu gefährden. Immerhin: Es gibt einen Wettbewerb um das schönste Design der Mauer.

Gesundheitsreform

Trump versprach seinen Wählern eine bessere, weniger bürokratische Gesundheitsreform. Obamacare wollte er abschaffen. Bis jetzt hat er das nicht geschafft. Dabei scheiterte er nicht an der Opposition, sondern an seiner eigenen Partei – im US-Kongress verfügen die Republikaner über Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus, eigentlich eine komfortable Situation für Trump. Dem konservativen Flügel gingen Trumps Pläne nicht weit genug, für sie war der Staat immer noch zu sehr involviert. Moderaten Republikanern hingegen war der Plan zu drastisch. Um eine Pleite bei der Abstimmung zu vermeiden, zogen die Republikaner vorzeitig zurück. In den vergangenen Tagen kündigte Trump eine neue Version an, um Obamacare abzuschaffen, erst hieß es, über diese solle noch in dieser Woche abgestimmt werden. Doch auch hier ruderte Trump zurück, nun ist September als neuer Anlauf im Gespräch, um die verhasste Reform seines Vorgängers Barack Obama zurückzudrehen.