Im Wahlkampf hatte Donald Trump mit seiner unkonventionellen Mischung aus Isolationismus und Konfrontation für Furore gesorgt: Er versprach, den Ton gegenüber China zu verschärfen und Handelsabkommen zugunsten der USA neu zu verhandeln. Aus internationalen Konflikten wollte sich Trump dagegen genauso heraushalten wie aus transatlantischen Bündnissen, die er als überflüssig und bürokratisch abtat. Bei diesen stünden Kosten und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis, befand er.

Die radikalen Positionen des Anti-Establishment-Kandidaten kamen vor allem bei den Wählern an, die sich eine Entlastung der USA von der internationalen Führungsverantwortung wünschten, ohne auf das Selbstbild eines starken Amerikas verzichten zu wollen. Donald Trump war Ronald Reagan ohne die unangenehmen Nebenwirkungen eines George W. Bushs.

Doch im Vergleich zu diesen Ankündigungen fällt Trumps Außenpolitik bislang überraschend konventionell aus. Die Vertreter des Präsidenten versichern den Nato-Staaten bei ihren Antrittsbesuchen die unbedingte Solidarität der US-Amerikaner, das Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zeichnete sich trotz aller Bedenken im Vorfeld vor allem dadurch aus, dass eine Demonstration amerikanischer Stärke unterblieb.

Zwischen ihm und seinem chinesischen Amtskollegen habe sich bereits eine Freundschaft entwickelt, schlussfolgerte ein handzahmer Präsident Trump nach der ersten halben Stunde. Von dem versprochenen Konfrontationskurs war nichts zu sehen. Auch die Äußerungen von Vizepräsident Mike Pence während seines Besuchs in Südkorea – eine Mischung aus Diplomatie und Drohgebärde in Richtung Norden – unterschieden sich kaum von der Sprache, auf die auch die Obama-Regierung im Umgang mit Pjöngjang gesetzt hatte.

Auch an anderer Stelle hat Trump von der eigenen Rhetorik Abstand genommen. Hatte er noch vor wenigen Monaten wiederholt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für dessen Kampf gegen den "Islamischen Staat" gelobt und im selben Atemzug Bewunderung für dessen engen Verbündeten Wladimir Putin bekundet, reagierte Trump auf den Einsatz von chemischen Waffen gegen die Zivilbevölkerung mit militärischer Härte. Für den überraschenden Raketenangriff auf die syrische Militärbasis erhielt der Präsident sogar verhaltenes Lob von seiner ehemaligen Kontrahentin Hillary Clinton. Auch in Afghanistan setzte der Präsident ein militärisches Zeichen, als er in der vergangenen Woche erstmals die größte verfügbare nicht nukleare Bombe gegen wichtige Infrastruktur des IS einsetzte.

Selbst das eigene Team tut sich angesichts des schnellen Kurswechsels mit einer Einordnung schwer. Nach dem Raketenbeschuss in Syrien wies Außenminister Rex Tillerson die Interpretation, die Reaktion sei der Beginn eines offensiveren Kurses, zunächst entschieden zurück – nur um später nachzulegen, Amerika werde jeden "zur Rechenschaft ziehen, der Verbrechen gegen Unschuldige begeht".

Deutschland 2017 - Für wie kompetent halten Sie Donald Trump? Wir haben Menschen in einer Einkaufsstraße in Potsdam nach ihrer Einschätzung zum US-Präsidenten, den USA, Russland und der EU gefragt. © Foto: Zeit Online