Erst mal kräftig provozieren, dann in Verhandlungen einsteigen und am Ende Abstriche von dem machen, was man sowieso nicht eingeplant hatte: So oder ähnlich scheint die Sicht von US-Präsident Donald Trump auf Außenpolitik zu sein. Am Sonntag hat er mit einseitigen US-Maßnahmen gegen Nordkorea gedroht, falls Peking nicht seinen Einfluss auf das Regime in Pjöngjang einsetze, um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un zu einem Stopp seines Atomwaffen- und Raketenprogramms zu bringen. Das konnte man auch als militärische Drohung interpretieren.

Trumps Ziel ist, Chinas Regierung unter starken Druck zu setzen, gegen die Atomraketen der Kim-Diktatur effektiv etwas zu unternehmen. Ein verständliches Ansinnen, denn die Diktatur Nordkoreas ist atomar sehr gefährlich geworden. Die Mittelstreckenraketen, von denen das Regime provokativ trotz internationalen Verbots eine auch am Tag vor dem Treffen Trumps mit Xi abfeuerte, können die umliegenden Länder Japan oder Südkorea und auch die Philippinen treffen. Langstreckenraketen, an denen Nordkorea angeblich ebenfalls arbeitet, könnten sogar die Westküste der USA erreichen und dort Los Angeles, San Francisco oder Seattle bedrohen. 

Der Nordkorea-Konflikt ist ein wesentlicher Grund für das nun erste Treffen der beiden Präsidenten Chinas und der USA seit dem Regierungswechsel in den USA in Trumps Feriendomizil Mar-a-Lago in Florida. Ursprünglich stand die Begegnung für Trump nicht so früh auf der Liste, aber wegen der jüngsten Entwicklung um Nordkorea wurde sie jetzt offenbar vorgezogen. Denn auch Peking betrachtet die Entwicklung im kleinen Nachbarland als bedrohlich.

So ein Gipfel bietet die Möglichkeit, sich persönlich kennenzulernen und dadurch Stabilität in die Beziehungen der beiden Mächte zu bringen. Ungeklärt ist aber die Frage, wie gut Trump auf dieses Treffen vorbereitet sein kann. Er selbst hat bekanntlich überhaupt keine Erfahrungen als Politiker. Er vertraut auf seine Kenntnisse, die er als Geschäftsmann in den letzten Jahrzehnten erworben hat, auf den Dealmaker eben. Welche Deals aber kann er mit Xi aushandeln?

Bekannt ist auch nicht,  ob es in der US-Regierung inzwischen eine mehr oder weniger kohärente Ostasienpolitik gibt. Wahrscheinlich existiert sie nicht. Im Außenministerium mit seinen zahlreichen Asienexperten sind über 1.000 Stellen noch unbesetzt, und es ist sowieso die Frage, wie viel Bedeutung der US-Präsident dem Ministerium noch zumisst. Sämtliche Personalentscheidungen des neuen Außenministers Rex Tillerson wurden von Trump bislang abgelehnt, der Außenminister selbst hat keinen Stellvertreter.

Trump hat früh Kontakte zu Peking aufgenommen

Die Personalsituation bedeutet nicht, dass Trump die politische Relevanz Ost- und Südostasiens von vornherein nicht bewusst war. Das haben die frühen Reisen in die Region durch Verteidigungsminister James Mattis und Außenminister Tillerson gezeigt. Trump selbst hatte sich laut eines Berichts der Washington Post bereits Mitte November mit dem in China gut vernetzten Ex-Außenminister Henry Kissinger getroffen und diesen gebeten, in Peking das starke Interesse an frühen bilateralen Gesprächen zwischen der neuen US-Regierung und China vorzubringen. Als Kissinger wenig später deswegen in China war, hatte sich Trump gerade von Taiwans Präsidentin zur Wahl beglückwünschen lassen. Für die Regierung in Peking ein Tabubruch und gleichzeitig ein Vorgeschmack auf Trumps Politikstil.

Anwesend bei dem Treffen sollen auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der spätere kurzzeitige Sicherheitsberater Michael Flynn gewesen sein. Kushner – auch er ohne politische Erfahrung – lässt Trump seitdem persönliche Beziehungen aufbauen zu diplomatischen Spitzen Pekings wie Cui Tiankai, dem Botschafter in Washington, oder zu Staatsrat Yang Jiechi, Chinas wichtigstem Außenpolitiker. Über Kushner als Schwiegersohn besteht so ein direkter Zugang zum US-Präsidenten. Familienbeziehungen in der Politik sind dabei in China nichts Besonderes, der kommunistische Parteiadel dominiert dort das politische System. Auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping entstammt einer Gründerfamilie der Volksrepublik.

Undeutlich bleibt aber bis heute Trumps politische Agenda für China und Ostasien. Einfluss auf Trump haben zum einen die weitgehend pragmatischen und wohl ideologiefreien Leute wie Jared Kushner, Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn oder Finanzminister Steven Mnuchin. Die großen Unsicherheitsfaktoren für Pekings Außenpolitiker sind vielmehr der unberechenbare US-Präsident selbst und seine politisch eher rechts außen anzusiedelnden Berater. Nationalistische Ideologen wie Stephen Bannon, der Anfang 2016 schon mal von einem Krieg mit China fabulierte, oder Ökonom Peter Navarro, der China wirtschaftlich zum Feind erklärt hat, können noch maßgeblichen Einfluss auf die US-Politik nehmen. Trump hatte den Chinesen im Wahlkampf vorgeworfen, Arbeitsplätze in den USA zu "stehlen" und sich durch unfaire Handelspraktiken Vorteile zu verschaffen, zudem hatte er mit Strafzöllen gedroht.