Bei der Präsidentschaftswahl in Ecuador beansprucht der linksgerichtete Regierungskandidat Lenín Moreno den Sieg für sich. Nach Angaben des staatlichen Wahlamtes lag er nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mit 51 Prozent vor dem konservativen Herausforderer Guillermo Lasso mit 49 Prozent. Offiziell wurde noch kein Wahlsieger verkündet. Lasso, ein ehemaliger Banker, forderte eine Nachzählung der Stimmen. Er sei der wahre Gewinner der Stichwahl, sagte er im ecuadorianischen Fernsehen. In seiner Heimatstadt Guayaquil marschierten Dutzende seiner Anhänger zum lokalen Wahlamt und riefen "Nein zu Betrug, ja zur Demokratie". Bei der Befragung von Wählern nach Verlassen des Wahllokals hatte ein Forschungsinstitut Lasso knapp vorne gesehen, ein anderes sah eine Mehrheit für Moreno. 

Moreno sagte nach der Wahl, er werde nicht ruhen, bis alle Ecuadorianer über eine Wohnung verfügten und der Analphabetismus im Andenland vollständig beseitigt worden sei. Gleichzeitig rief er zu einem friedlichen Zusammenleben auf: "Wir werden mit weniger Konfrontation und mehr Toleranz regieren."

Die Wähler Ecuadors entschieden in der Stichwahl, ob es zu einer Wende in der Politik des ölreichen Landes kommt. Der linke Präsident Rafael Correa regierte Ecuador zehn Jahre lang, seinen Kurs will Moreno fortsetzen. Lasso dagegen fordert, dass sich das Land mehr für private Investoren öffnet. Außerdem hatte er angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs WikiLeaks-Gründer Julian Assange keinen Unterschlupf mehr in der ecuadorianischen Botschaft in London zu gewähren. Dorthin hatte sich der Australier vor vier Jahren geflüchtet, um der Auslieferung nach Schweden zu entgehen, wo gegen ihn wegen Vergewaltigungsvorwürfen ermittelt wird.

Im Wahlkampf hatte der scheidende Präsident Correa dem Oppositionskandidaten Lasso vorgeworfen, von der ecuadorianischen Bankenkrise im Jahr 1999 profitiert zu haben. "Der moralische Betrug des rechten Flügels wird nicht ohne Strafe bleiben", sagte Correa.