Der Sozialist Lenín Moreno liegt bei der Präsidentschaftswahl in Ecuador vorn. Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen lag Moreno vor seinem konservativen Konkurrenten Guillermo Lasso, teilte die Wahlkommission mit. Demnach kam Moreno auf 51,1 Prozent, Lasso auf 48,9 Prozent der Stimmen. In der Stichwahl entschieden die Wähler, ob mit Moreno der Kurs des linken Präsidenten Rafael Correa fortgesetzt werden soll.

Vor der offiziellen Verkündung des Ergebnisses hatten sich beide Präsidentschaftskandidaten zum Wahlsieger erklärt, jeder unter Berufung auf andere Nachwahlbefragungen. Die Opposition forderte nun eine Neuauszählung der Stimmen. "Wir werden den Willen des ecuadorianischen Volkes verteidigen angesichts des versuchten Betrugs, mit dem eine von Anfang an illegitime Regierung installiert werden soll", sagte Lasso.

Es sei unbegreiflich, dass die Hochrechnungen so daneben lägen. Der 61-Jährige fragte, wie es möglich sein könne, dass die Auszählung der ersten Wahlrunde im Februar drei Tage dauerte und nun die Ergebnisse so schnell verkündet wurden. In der ersten Wahlrunde hatte Moreno 39 Prozent der Stimmen bekommen, Lasso 28.

Der Konservative rief seine Anhänger zum friedlichen Protest auf. Auf Twitter schrieb er: "Wir sind keine Idioten und das ecuadorianische Volk auch nicht." Vor der Wahlkommission kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. "Betrug, Betrug", riefen die Menschen. Der scheidende Staatschef Correa sagte, dass Lasso mit Protesten das zu erreichen versuche, was er nicht mit den Wählerstimmen erlangt habe.

Der Wahlsieger Moreno, ein 64 Jahre alter Verwaltungswissenschaftler, sagte in Richtung Lasso: "Wie immer, die Hand ist ausgestreckt." Er werde die sauberste Regierung in der Geschichte aufstellen. Moreno will die sozialen Reformen von Correa weiter umsetzen, aber das Land stärker für ausländische Investitionen öffnen. Dadurch soll Ecuador weniger abhängig von Öleinnahmen werden. Moreno war von 2007 bis 2013 Vizepräsident, bevor er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Seit er 1998 Opfer eines Raubüberfalls wurde, sitzt er im Rollstuhl.

Im neugewählten Parlament kann Moreno über eine Mehrheit von 74 der insgesamt 137 Sitze verfügen. Er wird aber nicht wie vor ihm Correa eine Zweidrittelmehrheit haben.   

Assange muss ecuadorianische Botschaft nicht verlassen

Unter Correa war die Armut in Ecuador in den vergangenen Jahren zurückgegangen. In seiner zehnjährigen Amtszeit investierte Correa in Straßen, Kraftwerke und Krankenhäuser. Niedrige Erdölpreise haben die Wirtschaft des Landes allerdings geschwächt, das Haushaltsdefizit und die Auslandsschulden stiegen deutlich. Außerdem führte die massive Erdölförderung zu Umweltproblemen und Konflikten mit der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet.

Das Wahlergebnis hat nicht nur für die Bürger Ecuadors Bedeutung. Dem Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, wird nach Angaben von Moreno weiter Asyl in der ecuadorianischen in London gewährt. Lasso hatte vor der Wahl angekündigt, den Schutz aufzuheben. Assange lebt seit 2012 in der Botschaft, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Die schwedische Justiz will ihn zu Vergewaltigungsvorwürfen befragen.