Der nationale Wahlrat in Ecuador hat zugestimmt, fast 1,3 Millionen Stimmen der Präsidentschaftswahl neu auszählen zu lassen. Der Rat reagierte damit auf die Betrugsvorwürfe, die die Opposition gegen den Wahlsieger Lenín Moreno erhoben hatte. Am Dienstag kommender Woche sollen alle Stimmzettel neu ausgewertet werden, die in den Beschwerden der Parteien aufgelistet worden sind, teilte der Rat mit. Das entspricht etwa einem Zehntel aller abgegebenen Stimmen.

Offiziellen Ergebnissen zufolge gewann Moreno die Stichwahl um die Präsidentschaft gegen den konservativen Kandidaten Guillermo Lasso mit knappem Vorsprung. Demnach kam Moreno auf 51,1 Prozent und Lasso auf 48,9 Prozent der Stimmen. Mit Moreno stimmte die Bevölkerung für die Fortsetzung des Kurses des linken Präsidenten Rafael Correa. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse sagte Lasso: "Wir werden den Willen des ecuadorianischen Volkes verteidigen angesichts des versuchten Betrugs, mit dem eine von Anfang an illegitime Regierung installiert werden soll." Er hatte sich vorher mit Berufung auf eine Nachwahlbefragung zum Wahlsieger erklärt.

Es sei unbegreiflich, dass die Hochrechnungen so daneben lägen. Der 61-Jährige fragte, wie es möglich sein könne, dass die Auszählung der ersten Wahlrunde im Februar drei Tage dauerte und nun die Ergebnisse so schnell verkündet wurden. In der ersten Wahlrunde hatte Moreno 39 Prozent der Stimmen bekommen, Lasso 28. Internationale Wahlbeobachter hatten keine Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung festgestellt.

Das Wahlergebnis hat nicht nur für die Bürger Ecuadors Bedeutung. Dem Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, wird nach Angaben von Moreno weiter Asyl in der ecuadorianischen in London gewährt. Lasso hatte vor der Wahl angekündigt, den Schutz aufzuheben. Assange lebt seit 2012 in der Botschaft, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Die schwedische Justiz will ihn zu Vergewaltigungsvorwürfen befragen.