Deutschland erhöht seine finanzielle Hilfe für vom Hunger bedrohte Menschen in Dürregebieten am Horn von Afrika von 100 Millionen auf 300 Millionen Euro. Das kündigte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an. Bei seinem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Adeba sagte er: "Es ist eine Schande, wie die Weltgemeinschaft mit ansieht, wie hier gestorben und gelitten wird." Finanziert wird die Hilfe in diesem Jahr mit Mitteln aus dem Haushalt des Bundesentwicklungsministeriums.

In Äthiopien leiden etwa 5,6 Millionen Menschen an Hunger. Grund ist unter anderem eine lang anhaltende Dürreperiode, die in Ostafrika zu erheblichen Ernteausfällen geführt hat. Neben Äthiopien sind der Südsudan, Uganda, Kenia und Somalia betroffen. Im Südsudan verschlimmern ein Bürgerkrieg und eine Wirtschaftskrise die Lage. Die UN schätzen, dass in der Region insgesamt mehr als 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind. Akut seien Hilfen in Höhe von vier Milliarden Dollar nötig. In Somalia waren 2011 mehr als eine Viertelmillion Menschen durch Hungersnot gestorben.

Allein in Äthiopien brauche es eine Milliarde Dollar, sagte Müller. Bisher habe die Weltgemeinschaft zu langsam reagiert, erst ein Viertel der benötigten Mittel sei geflossen. Deutschland werde einen internationalen Aufruf starten, um die Überlebenshilfe zu sichern. "Ich schäme mich, dass es dazu erst Bilder toter und hungernder Kinder bedarf", sagte Müller vor seinem Abflug aus der äthiopischen Hauptstadt. Der Höhepunkt der Dürre wird in diesem Mai erwartet.

Diese Länder brauchen ausländische Lebensmittelhilfe

Der Entwicklungsminister fliegt von Addis Adeba in die somalisch-äthiopische Grenzregion Somali, wo er eine temporäre Siedlung für Dürre-Flüchtlinge sowie ein Cholera-Behandlungszentrum besuchen will. Zudem plant Müller, mit der Afrikanischen Union (AU) über den Marshallplan mit Afrika zu sprechen und eine äthiopische Textilfirma zu besuchen. Im Anschluss an Äthiopien stehen Besuche in Indien und Pakistan an.