Junge Männer schöpfen mit Metallbechern schlammiges Wasser aus einer Pfütze in Plastikcontainer. "Das trinken die wirklich!", versichert der Gewährsmann. Er hat das Bild vor einer guten Woche aufgenommen und ZEIT ONLINE zusammen mit weiteren Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Die Fotos dokumentieren die erbärmlichen Bedingungen, unter denen schätzungsweise bis zu 80.000 syrische Flüchtlinge im Niemandsland zwischen Syrien und Jordanien ausharren.

Die Trinkwasserversorgung in Rukban ist desolat. © ZEIT ONLINE

Rukban heißt dieser Ort. Er liegt wenige Kilometer vor dem Dreiländereck, an dem die Grenzen Syriens, Jordaniens und des Iraks aufeinandertreffen. Mitten in der Wüste also. Die Zelte und Behausungen sind über eine große Fläche verstreut, nicht alle Flüchtlinge leben im Niemandsland, einige auch auf der syrischen Seite. Die nächste geteerte Straße auf jordanischer Seite ist fast 50 Kilometer entfernt. Vor Jahrzehnten haben Jordanien und Syrien hier auf ihrer Seite der Grenzen jeweils kilometerlange künstliche Sanddünen aufgeschüttet, so genannte Berms. Genau zwischen den Berms besteht seit gut drei Jahren ein de-facto-Flüchtlingscamp. Buchstäblich im Niemandsland.

Zunächst kamen nur wenige syrische Bürgerkriegsflüchtlinge nach Rukban, die ersten im Herbst 2014. Dann verstetigten sich die Ankünfte. Erst im Dezember 2015 wurde die Existenz des Lagers offiziell bekannt. Bis heute leben viele der Flüchtlinge in Zelten und improvisierten Behausungen, Schätzungen von Hilfsorganisationen zufolge sind zwei Drittel der Bewohner Frauen und Kinder.

Bis Mitte 2016 hatten internationale Hilfsorganisationen gelegentlichen Zugang zu dem Camp. Im Februar ließ Jordanien 20.000 der dort Gestrandeten ins Land und brachte sie in einem anderen Flüchtlingslager auf jordanischem Boden unter.

Aber nachdem im Juni 2016 ein Selbstmordattentäter des IS sechs jordanische Soldaten auf einem Militärstützpunkt in der Nähe ermordete, riegelte Jordanien die Grenze komplett ab. Praktisch niemand aus Rukban wurde mehr ins Land gelassen. Die Jordanier sind überzeugt, dass der IS Schläferzellen in dem Lager platziert hat. Diese Annahme ist plausibel, mittlerweile hat es zwei weitere Anschläge der Dschihadisten in Rukban gegeben, zuletzt im Januar dieses Jahres.

Es stehen nur einfachste Transportmittel zur Verfügung. © Saeed Saif

Im Juni 2016 gelang es Hilfsorganisationen noch einmal, per Kran Lebensmittel in Rukban abzuwerfen, danach waren die Flüchtlinge monatelang auf sich gestellt. Krankheiten häuften sich, vor allem schwangere Frauen und neugeborene Kinder litten unter den desolaten Bedingungen. "Ich weiß von deutlich mehr als zehn Neugeborenen, die in dieser Zeit gestorben sind", sagt ein Arzt, der oft in Rukban war. Damals gab es nur eine einzige Klinik in Rukban, die aus zwei Containern bestand und mangelhaft ausgestattet war.

Die Menschen leben in einfachen und improvisierten Zelten. © Saeed Saif

Im Herbst erzielten die jordanischen Behörden und internationale Hilfsorganisationen eine Übereinkunft. Seither gibt es einige Kilometer entfernt vom Camp, auf jordanischer Seite gelegen, ein Verteilungszentrum für humanitäre Hilfsgüter sowie eine mobile Klinik der Vereinten Nationen. Lebensmittel und andere Hilfsgüter werden von einem jordanischen Privatunternehmen angeliefert und unter Aufsicht der Armee verteilt. Die UN-Offiziellen beobachten die Verteilung über Kameras, die an zwei Masten angebracht sind. In die Klinik gelangen die Patienten per Krankenwagen und nach einer strengen Sicherheitskontrolle.