Der sozialistische Politiker Jean-Luc Mélenchon hat seine Anhänger dazu aufgerufen, bei der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen nicht für die Rechtspopulistin Marine Le Pen zu stimmen. "Begeht nicht den schrecklichen Fehler, eine Stimme für den Front National abzugeben", sagte Mélenchon in einem Interview mit dem Fernsehsender TF1. Mélenchon war selbst bei der Präsidentschaftswahl angetreten, jedoch in der ersten Wahlrunde vor einer Woche ausgeschieden.

Wenn seine Anhänger den Front National wählten, würden sie das "Land in einen Flächenbrand treiben", dessen Ende niemand absehen könne, warnte Mélenchon. "Ich würde nicht den Front National wählen, ich bekämpfe den Front National."

Nachdem Mélenchon mit 19,6 Prozent der Stimmen die Stichwahl verpasst hatte, lehnte der Sozialist ab, eine Wahlempfehlung auszusprechen. Auch nun vermied es Mélenchon, seinen Anhängern zu raten, sie sollten für Le Pens Gegenkandidaten Emmanuel Macron stimmen. Im Gegenteil: Über den Liberalen sagte er in dem Fernsehinterview, er sei nicht geeignet, das Land zu regieren. Macron ist der einzige Gegenkandidat von Le Pen in der Stichwahl am 7. Mai.

Die sieben Millionen Wähler, die im ersten Wahlgang für Mélenchon gestimmt hatten, werden von Macron und Le Pen umworben. Unter ihnen sind viele junge Franzosen, die jünger als 30 Jahre alt sind. Mélenchon sagte, dass Le Pen immerhin versuche, mit seinen Anhängern zu reden. Damit sich die Linkswähler hingegen auf Macron zubewegen könnten, solle der seine Pläne für eine Reform des Arbeitsgesetzes zurückziehen, forderte Mélenchon.

Dessen Sprecher Alexis Corbière hatte bereits am Freitag gesagt, keine Stimme dürfe an den Front National gehen. Macron liegt einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge mit 59 Prozent vorne.