Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben von Aktivisten auf 72 gestiegen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, waren unter den Toten in der Stadt Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib auch 20 Kinder.

Zu den Opferzahlen gibt es indes unterschiedliche Angaben. Bisherigen Angaben von Rettungskräften zufolge kamen mindestens 58 Menschen ums Leben, darunter elf Kinder. Die Vereinigung medizinischer Hilfsorganisationen sprach von mindestens 100 Toten. Nach Angaben der russischen Regierung hatte die syrische Luftwaffe in der Nähe der Stadt ein Lager von Rebellen mit Giftstoffen getroffen.

Der mutmaßliche Giftgasangriff ereignete sich am Dienstag in der Provinz Idlib, einer der Hochburgen der Rebellen im syrischen Bürgerkrieg. Regierungstruppen fliegen dort mit der Unterstützung Russlands Angriffe auf Stellungen der Aufständischen. Die USA machen das Regime von Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich, die syrische Armee weist dies zurück.

Der Syrischen Beobachtungsstelle zufolge bombardierten syrische oder russische Flugzeuge die im Nordwesten des Landes gelegene Stadt Chan Scheichun. Aktivisten zitieren Ärzte, die von Symptomen eines Gasangriffs sprachen. Demnach mussten viele Menschen würgen oder fielen in Ohnmacht. Einige hätten Schaum vor dem Mund gehabt. Der Chef der Gesundheitsbehörde von Idlib, Munser Chalil, sagte, bei dem Gas habe es sich vermutlich um Sarin- und Chlorgas gehandelt. Auf Fotos von Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters waren Menschen mit Sauerstoffmasken und in Schutzanzügen zu sehen. Andere Bilder zeigten tote Kinder, während in Decken gehüllte Leichen in Reihen am Boden lagen.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef zeigte sich entsetzt. Die Bilder der Kinder seien "schrecklich und herzzerreißend", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake. Wenn sich der Einsatz von Giftgas bestätige, dürfe die internationale Gemeinschaft nicht nur mit Empörung reagieren, sondern müsse endlich handeln und der verheerenden Gewalt in Syrien ein Ende setzen. Der schreckliche Anschlag vom Dienstag dürfe die Gewalt, die an anderer Stelle in Syrien stattfinde, jedoch nicht vergessen machen. Täglich litten auch in Aleppo, Damaskus und anderen syrischen Städten mehr als 280.000 Kinder, die von humanitärer Hilfe abgeschnitten seien.