Bei einem Giftgasangriff in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 58 Zivilisten getötet worden. Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde das Gas bei einem Luftangriff auf die Stadt Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib freigesetzt.

Unter den Opfern des Angriffs waren laut Beobachtungsstelle auch Frauen und nach neueren Angaben mindestens 19 Kinder, zudem wurden 160 Menschen verletzt. Die Beobachtungsstelle zitierte Ärzte, die von Anzeichen eines Gasangriffs sprachen. Demnach mussten viele Menschen würgen oder fielen in Ohnmacht. Einige hätten Schaum vorm Mund gehabt. Die Rettungshelfer der Organisation Weißhelme berichteten von 240 Verletzten; die Hilfsorganisationen Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) gingen von 100 Toten und 400 Verletzten aus.

Laut der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) wurde im Anschluss auch das Krankenhaus, in dem Opfer behandelt wurden, unter Beschuss genommen. Demnach schlug am Eingang der Klinik eine Rakete ein und zerstörte Teile des Gebäudes.

USA sehen Schuld bei Assad

Die USA warfen der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad vor, unmittelbar für den Angriff verantwortlich zu sein. Der Vorfall sei verwerflich und könne von der "zivilisierten Welt" nicht ignoriert werden, sagte Regierungssprecher Sean Spicer. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sieht "die vorrangige Verantwortung" für den mutmaßlichen Giftgasangriff beim syrischen Regime. Schließlich habe dieses die Hauptverantwortung dafür, die Bevölkerung zu schützen.


US-Außenminister Rex Tillerson gab Russland und dem Iran eine Mitverantwortung für den Angriff: "Als die selbst ernannten Garanten des Waffenstillstandsabkommens von Astana tragen Russland und der Iran große moralische Verantwortung für diese Toten." Tillerson rief die beiden Kriegsparteien auf, ihren Einfluss auf Präsident Baschar al-Assad geltend zu machen und "zu garantieren, dass so ein schrecklicher Angriff nie wieder passiert". Es sei klar, wie der syrische Machthaber operiere: "Mit brutaler, unverfrorener Barbarei", sagte Tillerson. Die Unterstützer Assads sollten sich keine Illusionen über Assad oder seine Absichten machen.

Dagegen hatte Nikki Haley, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, erst vergangene Woche erklärt, ein Machtwechsel in Syrien habe keine Priorität für die neue US-Regierung; anders als Barack Obama werde man Assad aus dem Spiel lassen und sich auf die Bekämpfung der IS-Miliz konzentrieren. Ob die USA wegen des Angriffes etwas unternehmen werden, ließen Tillerson und Spicer offen. US-Präsident Donald Trump habe aber mit seinem Sicherheitsteam über die Attacke gesprochen.

Die syrische Armee dementierte die Vorwürfe. Sie habe keine chemischen Kampfstoffe eingesetzt und werde dies auch in Zukunft nicht tun.

Der Vorfall ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) kündigte eine Untersuchung an. Frankreich und Großbritannien forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

In der betroffenen Region fliegen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Verbündeten immer wieder Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen. Idlib gehört zu den Hochburgen der Rebellen im syrischen Bürgerkrieg.