Bei seiner ersten Pressekonferenz als US-Verteidigungsminister hat James Mattis der Darstellung widersprochen, die USA hätten ihre Strategie im Syrienkonflikt geändert. "Es war kein Zeichen dafür, dass wir vollwertig und umfassend in den wohl komplexesten Bürgerkrieg unserer Zeit einsteigen", sagte Mattis. "Die Militärkampagne hat den Fokus darauf, den IS zu brechen, den IS in Syrien zu besiegen", so Mattis weiter.

Mattis betonte, der alleinige Grund für den US-Angriff auf den Stützpunkt Al-Schairat sei der mutmaßliche Giftgasangriff der syrischen Armee auf Chan Scheichun. "Wir wussten, dass wir danach nicht untätig bleiben konnten", sagte der Verteidigungsminister. Es sei aber "kein Vorbote für einen Wechsel in unserer Militärkampagne" gewesen. In den Tagen seit dem Luftangriff in Syrien hatte die US-Regierung immer wieder betont, wenn nötig zu weiteren Schlägen gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad bereit zu sein, sollte dieser erneut Chemiewaffen einsetzen.

Unterdessen soll der UN-Sicherheitsrat über eine neue Resolution abstimmen, in der eine Untersuchung des Giftgasangriffs gefordert wird. Der Resolutionsentwurf soll heute von den USA, Frankreich und Großbritannien in das UN-Gremium eingebracht werden. Diplomaten rechnen jedoch bereits mit einem russischen Veto.

Ringen um eine unabhängige Untersuchung

In der vergangenen Woche war es den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats wegen einer Blockade Russlands nicht gelungen, sich auf eine unabhängige Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs in der syrischen Stadt Chan Scheichun zu einigen. In dem leicht überarbeiteten neuen Entwurf wird nach Angaben des britischen UN-Botschafters Matthew Rycroft nun eine "vollständige Kooperation" aller Konfliktparteien bei der Untersuchung des Angriffs verlangt.

Bei dem mutmaßlichen Einsatz des Nervengases Sarin in der von Rebellen kontrollierten Kleinstadt waren am Dienstag vergangene Woche 87 Menschen getötet worden. Als Reaktion auf den Angriff hatte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe bombardieren lassen. Die Regierung von Assad bestreitet, chemische Waffen eingesetzt zu haben. Nach russischer Darstellung soll das Nervengas aus Lagern der Rebellen stammen. Russland ist Assads wichtigster Verbündeter.

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine unabhängige Untersuchung. Er sprach zugleich von russischen Geheimdienstinformationen über geplante "Provokationen" mit Chemiewaffen in Syrien, mit denen der syrischen Regierung die Schuld gegeben werden solle.

Druck auf Russland wächst

Bei seinem Antrittsbesuch in Moskau kommt US-Außenminister Rex Tillerson heute mit seinem Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Ob er auch mit Putin sprechen wird, war zunächst unklar. Tillerson hatte nach dem Treffen der G7 im italienischen Lucca klar gemacht, dass es für den syrischen Präsidenten Assad nach Ansicht der USA keine künftige Rolle in Syrien gebe. "Es ist uns allen klar, dass die Regentschaft der Assad-Familie zu einem Ende kommt", sagte Tillerson. Russland forderte er auf, sich im Syrienkonflikt klar zu bekennen. Moskau müsse sich entscheiden, ob es sich mit den USA und deren Partnerstaaten abstimmen oder mit Assad, dem Iran und der Hisbollah-Miliz verbündet sein wolle.