Kim Jong Un - Nordkorea testet erneut Rakete Nordkorea hat einen weiteren Raketentest im Japanischen Meer durchgeführt. Der Raketentest fand einen Tag vor dem Treffen von Chinas Staatschef und US-Präsident Donald Trump statt, bei dem es auch um Nordkorea gehen soll. © Foto: KCNA/Reuters

Die Rakete sei am Mittwoch nahe Sinpo an der Ostküste abgefeuert worden und etwa 60 Kilometer in Richtung Japan geflogen, teilte der Generalstab des südkoreanischen Militärs mit. Auch das US-Militär bestätigte den Start. Nach Angaben des US-Pazifikkommandos handelte es sich vermutlich um eine Mittelstreckenrakete des Typs KN-15, die "keine Gefahr für Nordamerika" darstellt – für die Nachbarländer Südkorea und Japan hingegen schon.

Die japanische Regierung kritisierte den erneuten Raketentest des Nachbarlandes scharf. Ein Sprecher der japanischen Regierung bezeichnete den Raketenabschuss als "extrem problematische Aktion". In Südkorea kam der Nationale Sicherheitsrat zusammen. Das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas wird in der Region als große Bedrohung gesehen.

Trump will den Nordkorea-Konflikt notfalls allein "lösen"

Die neue US-Regierung dringt auf ein Ende von Nordkoreas Verstößen und übt verstärkt Druck auf China aus, den wichtigsten Unterstützer des Regimes von Kim Jong Un. US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich mit einem Alleingang der USA im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm gedroht. Wenn Chinas Regierung das Problem "nicht löst, werden wir es tun", sagte Trump in einem Zeitungsinterview.

Als Reaktion darauf drohte Nordkorea mit "Gegenmaßnahmen". Trumps Äußerungen und ein aktuelles Militärmanöver der USA bezeichnete das nordkoreanische Außenministerium am Montag als "rücksichtsloses Vorgehen", das die koreanische Halbinsel "an den Rand eines Krieges" bringe. Derzeit halten südkoreanische, japanische und US-Truppen ihre alljährlichen gemeinsamen Militärübungen ab. Nordkorea antwortet darauf häufig mit eigenen Militärtrainings, weil es die Übungen als Invasion betrachtet.

Trump empfängt am Donnerstag und Freitag Chinas Staatschef Xi Jinping in seinem Privatclub Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. Der Konflikt mit Nordkorea wird nach Angaben des Weißen Hauses ein Schwerpunkt des Treffens sein, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Man wolle gerne gemeinsam mit China daran arbeiten.

Experten befürchten nukleare Langstreckenraketen

Der aktuelle 60-Kilometer-Flug war verglichen mit Nordkoreas bisherigen Testflügen kurz. Entgegen mehreren UN-Resolutionen treibt die kommunistische Führung in Pjöngjang das Atomprogramm des Landes voran und entwickelt Raketen, die nicht nur Südkorea und Japan, sondern auch die US-Küste erreichen sollen. Erst im März gelang es dem Regime von Kim Jong Un, vier ballistische Raketen jeweils etwa 1.000 Kilometer weit fliegen zu lassen – bis in von Japan beanspruchte Gewässer hinein.

Nach Einschätzung von Experten bereitet das Land derzeit einen weiteren Atomtest vor, bisher hatte es fünf solcher Tests unternommen. Ballistische Raketen befördern je nach Bauart konventionelle, biologische, chemische oder sogar atomare Sprengköpfe ins Ziel. Zwar sind sie in der Regel Boden-Boden-Raketen, sie können aber auch von U-Booten abgefeuert werden. Waffenexperten gehen davon aus, dass Pjöngjang in den nächsten Jahren Langstreckenraketen so weit entwickelt hat, dass sie – schlimmstenfalls mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet – US-Festland erreichen können.