Zehntausende Anhänger der verhafteten ehemaligen Präsidentin Park Geun Hye haben in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Freilassung der Politikerin gefordert. Parks Gegner veranstalteten zeitgleich eigenen Proteste in nahe gelegenen Straßen, wo sie die Verhaftung feierten. Die Polizei setzte Tausende Beamte, um das Aufeinandertreffen von Anhängern und Gegnern zu verhindern.

Park war am Freitag in Untersuchungshaft genommen worden. Der einstigen Spitzenpolitikerin werden Erpressung, Machtmissbrauch und Bestechlichkeit vorgeworfen. Gemeinsam mit ihrer Vertrauten Choi Soon Sil und einem Regierungsberater soll sie Unternehmen erpresst und Bestechungsgeld angenommen haben.

Die Staatsanwaltschaft kann Park bis zu 20 Tage in Untersuchungshaft halten. Während dieser Zeit könnte sie formal Anklage gegen die Ex-Präsidentin erheben. Der schwerwiegendste Vorwurf gegen Park lautet, sie habe Millionen von Dollar an Bestechungsgeldern vom Technologieunternehmen Samsung im Gegenzug für Geschäftsvorteile angenommen. Dies könnte mit einer Gefängnisstrafe von mehr als zehn Jahren oder gar lebenslanger Haft bestraft werden. Park hat sich dafür entschuldigt, Vertrauen in ihre verhaftete Freundin Sil gesetzt zu haben. Doch hat sie bestritten, gegen Gesetze verstoßen zu haben.

Das von der Opposition dominierte Parlament leitete im vergangenen Dezember dennoch ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park ein. Am 10. März entschied das Verfassungsgericht, dass sie ihren Posten tatsächlich abgeben muss – und damit auch ihre Immunität vor Strafverfolgung.

Bis Anfang Mai sollen die Südkoreaner nun einen Nachfolger Parks wählen. Meinungsumfragen sprechen dem Liberalen Moon Jae die größten Chancen zu. Er hatte die Wahl 2012 gegen Park verloren.