UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat den UN-Sicherheitsrat vor einer Eskalation des Konflikts in Libyen gewarnt. In einem Bericht an das Gremium schrieb Guterres, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrolliere zwar kein Gebiet mehr in Libyen, würde aber weiterhin Anschläge ausüben. Die neu aufflammenden militärischen Auseinandersetzungen und Kämpfe in den Regionen mit Erdöl seien zudem alarmierend.

Ein Potenzial für die Eskalation des Konflikts bestehe vor allem, weil politische Probleme nicht angesprochen würden und es eine Vielzahl bewaffneter Akteure mit unterschiedlichen Interessen gäbe, so Guterres. Der von den UN unterstützte Präsidentschaftsrat in Libyen ist laut Guterres aber weiterhin fähig zu regieren sowie die Bevölkerung grundsätzlich zu versorgen und zu beschützen.

Der Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 hatte in dem Land zu Chaos geführt. Das Machtvakuum machte Libyen zum Nährboden für Milizen und militante Gruppen. Außerdem wurde Libyen zum Ausgangspunkt für die Flucht afrikanischer Flüchtlinge nach Europa. Seit 2014 ist Libyen zwischen rivalisierenden Regierungen und Parlamenten im Westen und Osten geteilt, die jeweils von unterschiedlichen Gruppen unterstützt werden.

Ein von den UN verhandeltes Abkommen für eine einheitliche Regierung im Jahr 2015 scheiterte, weil die nun von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung in Tripolis nicht das Vertrauen des Parlaments in Tobruk erlangen konnte, was Voraussetzung für eine Machtübernahme war. Guterres rief alle Parteien dazu auf, die Hauptprobleme anzusprechen, die zur Blockade des Abkommens geführt haben.