Die maltesische EU-Ratspräsidentschaft will den Streit zwischen den Mitgliedsländern über die Verteilung von Flüchtlingen offenbar mit Ausgleichszahlungen beilegen. In einem Papier Maltas, über das die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, heißt es, Staaten, die mehr Menschen aufnehmen als vorgesehen, könnten über fünf Jahre lang insgesamt 60.000 Euro pro Person erhalten. Staaten, die weniger Menschen in ihr Land lassen wollten, müssten im Gegenzug 60.000 Euro zahlen. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr ein ähnliches System angeregt – und die Summe von 250.000 Euro ins Gespräch gebracht.

Insbesondere die osteuropäischen EU-Staaten wie Polen, Tschechien und Ungarn wehren sich gegen die verbindliche Aufnahme von Flüchtlingen. Um sie zu motivieren, schlägt Malta eine Einführung schrittweise über drei Jahre vor. Das Verteilsystem soll nur dann automatisch greifen, wenn besonders viele Migranten ankommen. Pro Jahr sollen auf diese Weise maximal 200.000 Menschen verteilt werden, die jeweilige Anzahl soll sich nach der Größe und dem Wohlstand des jeweiligen Landes richten. Malta hat bis Ende Juni die EU-Ratspräsidentschaft inne und sucht einen Kompromiss zwischen den übrigen EU-Ländern.

Bisher sind gerade einmal rund zehn Prozent – 17.000 von 160.000 – Geflüchtete verteilt worden. Ziel eines neuen Verteilsystems ist es, Italien und Griechenland zu entlasten. In diese Länder kommen besonders viele Migranten unter hohen Risiken über das Mittelmeer nach Europa. Dabei kommt es immer wieder zu Unglücken. So waren am Montag bei einem Bootsunglück vor der griechischen Insel Lesbos mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Überlebende berichteten, dass ihr Schlauchboot mit etwa 25 Menschen an Bord auf der Überfahrt gekentert sei.