Der politische Stillstand in Marokko dürfte vorerst beendet sein: König Mohammed VI. hat eine neue Regierungskoalition ernannt. Unter den Ministern, Landesministern und Staatssekretären, die am Mittwoch im Königspalast in Rabat bestimmt wurden, sind 9 Frauen und 30 Männer. Das Parlament wird die Regierung am 14. April offiziell bestätigen.

Ministerpräsident wird Saad Eddine El Othmani, den Mohammed VI. im vergangenen Monat mit der Regierungsbildung beauftragt hatte. Er schmiedete eine Allianz aus Konservativen, Sozialisten und marktfreundlichen Parteien, die zusammen 240 der 395 Sitze im Repräsentantenhaus halten.

Kritik am Einfluss des Königs

Die Schlüsselposten der Regierung – Verteidigung, Sicherheit und Religionsangelegenheiten – vergab El Othmani an Politiker, die dem König nahe stehen, aber keine Parteizugehörigkeit haben. Kritiker bemängelten, nicht demokratisch gewählte Parteien, sondern der Königspalast, habe den größten Einfluss auf die Regierungsbildung gehabt. So beklagten Vertreter von El Othmanis moderat-islamistischer Partei Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD), dass der neue Regierungschef zu schnell auf rivalisierende Parteien zugegangen sei. Sie monierten, er habe die Parteiführung um Rat bei der Vergabe der Ministerposten bitten müssen. 

Die PJD hatte die Parlamentswahl im Oktober gewonnen. Da es danach aber fünf Monate lang nicht zu einer Regierungsbildung kam, entschloss sich Mohammed VI., den vorherigen designierten Ministerpräsidenten Abdelilah Benkirane des Amtes zu entheben. Mitte März setzte er El Othmani ein. Manche Mitglieder der vorherigen, ebenfalls von der PJD angeführten Koalition bleiben nun im Kabinett, darunter etwa Wirtschaftsminister Mohammed Boussaid. Der dauerhafte Vertreter für Marokko bei den UN in Genf, Mohammed Aujar, wird neuer Justizminister.