"Long live Trump" – die Parole kann man jetzt häufig hören. In den Camps syrischer Flüchtlinge im Libanon und in den oppositionellen Gebieten Syriens. Wer will es ihnen verdenken. Seit sechs Jahren schaut die Welt zu, wie ein Diktator mit viel russischer und iranischer Hilfe sein Land zerstört. Jetzt, nach dem x-ten Giftgasangriff auf Zivilisten, beschießt ein amerikanischer Präsident endlich einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. "Heute scheint die Sonne", sagte einer der Ärzte, der seit dem vergangenen Dienstag in Idlib Opfer des Luftschlags auf die Stadt Chan Schaichun behandelt, bei dem vermutlich das Nervengas Sarin eingesetzt wurde.

Das Regime wiederum reagierte ebenfalls: nicht nur mit rhetorischer Empörung, sondern auch mit einem neuen Luftangriff auf Chan Schaichun am Freitagmorgen. Dieses Mal nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ohne chemische Kampfstoffe. Es dürfte ein Signal an Washington gewesen sein, dass die eigenen Luftschlag-Kapazitäten weiter intakt sind.

Der Krieg – darüber sollte man sich keine Illusionen machen – geht in Syrien weiter. Trotz der 59 Tomahawk-Raketen auf den Militärflughafen von Al-Schairat. Trotz offiziell immer noch geltenden Waffenstillstands. Und zwar in immer vielfältigeren Koalitionen und entlang zahlreicher Fronten: Die Gebiete der Opposition sind auf die südwestliche Ecke des Landes entlang der Golan-Höhen und um die Stadt Deraa (dem Ausgangspunkt des Aufstands gegen das Regime), sowie auf die Provinz Idlib und einige Vororte von Damaskus zusammengeschrumpft. Letztere werden derzeit von der syrischen Luftwaffe bombardiert. In Idlib fliegen sowohl die syrische Luftwaffe – wie aus Chan Schaichun – als auch russische Kampfflugzeuge und US-Bomber Angriffe.

Damaskus und Moskau haben Rebellengruppen und wie zuvor in Ost-Aleppo und anderen Orten die zivile Infrastruktur im Visier, die USA wiederum bombardieren seit einiger Zeit verstärkt den syrischen Al-Kaida-Ableger, die ehemalige Al-Nusra-Front, die inzwischen regelmäßig ihren Namen ändert. Ihre Dschihadisten sind von den diversen Verhandlungen ausgenommen, haben aber große militärische Schlagkraft, die sie in Angriffen auf das Regime wie zuletzt in der Hauptstadt Damaskus, aber in Idlib auch gegen gemäßigtere – soll heißen: verhandlungsbereite Rebellengruppen einsetzen.

Keiner schert sich um die Zivilbevölkerung

Über das von Baschar al-Assad beherrschte Territorium entlang der Mittelmeerküste und der Achse Hama, Homs, Damaskus, haben russisches Militär und iranische Revolutionsgarden inzwischen ein Netz eigener Militärstützpunkte geknüpft. Entlang der Grenze zum Libanon hat die libanesische Hisbollah, zu Beginn des Krieges Assads Retter vor dem Sturz, sich "zur Belohnung" einen breiten Korridor Land gesichert.

Den Norden kontrolliert mit Ausnahme eines kleineren Gebietes in der Gewalt türkischer Kräfte der syrische Ableger der PKK, der wiederum mit ausgewählten arabisch-sunnitischen Rebellen auf die Hauptstadt des IS, Rakka, vorrückt – unterstützt von US-Kampfbombern und einer wachsenden Zahl von US-Spezialeinheiten.

Im Süden versuchen moderatere Rebellengruppen (ja, auch die gibt es noch) immer wieder Offensiven auf Pro-Assad-Kräfte, während gleichzeitig Kämpfer des IS von Rakka in den Süden drücken. Den wiederum hat auch Israel im Blick, das in dieser Region keine Präsenz von libanesischen Hisbollah-Milizen oder iranischen Revolutionsgarden duldet – und deswegen mehrfach seine Kampfbomber in den syrischen Luftraum geschickt hat.

Keine dieser Konfliktparteien und Interventionsmächte schert sich um die Zivilbevölkerung, am allerwenigsten Assad, der mit der breitesten Palette an Kriegsverbrechen gegen sie vorgeht.