Die Europäische Kommission drängt die EU-Mitgliedstaaten, Flüchtlingskinder besser zu schützen. Statt in Lagern sollten Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern unterwegs sind, in Familien untergebracht werden, forderte die Kommission in Brüssel. Die Behörde schlägt die Schaffung eines EU-weiten Vormundschaftsnetzwerks vor, um den Austausch zwischen den Mitgliedstaaten über bewährte Verfahren zu verbessern.

Außerdem müsse es in den Registrierungszentren in den südlichen Grenzländern Europas, den sogenannten Hotspots, Beauftragte für den Schutz minderjähriger Migranten geben. Unbegleitete Minderjährige müssen dem Kommissionsvorschlag zufolge "unverzüglich" gesundheitlich versorgt werden und psychologische Betreuung erhalten. Darüber hinaus soll ihre Schulbildung gewährleistet werden.

Nach Angaben der Kommission ist jeder dritte Schutzsuchende minderjährig. Allein 2015 kamen amtlichen Daten zufolge 90.000 unbegleitete Kinder in die EU. Die Zahl hat in den vergangenen beiden Jahren deutlich zugenommen.

Außerdem verlangt die Kommission, vermisste Kinder müssten systematisch erfasst und Informationen darüber zwischen den Mitgliedstaaten ausgetauscht werden. Im vergangenen Jahr hatte die Polizeibehörde Europol für Aufregung gesorgt, als sie mitteilte, mehr als 10.000 Flüchtlingskinder würden in der EU vermisst, von denen viele kriminell ausgebeutet oder sexuell missbraucht würden. 

"Wenn wir über minderjährige Migranten sprechen, sollten wir niemals vergessen, dass sie zuallererst Kinder sind", sagte Justizkommissarin Věra Jourová. Es müsse "alles dafür getan werden, um Alternativen der Ingewahrsamnahme von Kindern zu schaffen", fordert die Behörde deshalb von den Mitgliedstaaten. Kinderhilfswerke kritisierten immer wieder die Bedingungen für minderjährige Flüchtlinge. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte im September bemängelt, dass Flüchtlingskinder von den Behörden oft unter "beklagenswerten" Bedingungen festgehalten würden, einige von ihnen in Polizeizellen mit Erwachsenen.

Die EU-Kommission hatte bereits vor einem knappen Jahr Vorschläge zur Reform des europäischen Asylsystems gemacht, die in Teilen auch einen besseren Schutz minderjähriger Schutzsuchender vorsehen. Die Mitgliedstaaten sind sich jedoch uneins.