Nur einen Tag, nachdem sich Premierministerin Theresa May für eine vorgezogene Neuwahl ausgesprochen hat, haben sich auch die Abgeordneten des Unterhauses mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichte May spielend: 522 Abgeordnete stimmten für eine Neuwahl, nur 13 votierten dagegen. Neun der 13 waren Labour-Abgeordnete. Ein Hinweis darauf, für wie viel Unbehagen die Neuwahl bei vielen Labour-Politikern sorgt.

Der Abstimmung am Mittwochnachmittag ging eine lebhafte Debatte im Unterhaus voraus, die einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf bot. Labour-Chef Jeremy Corbyn kritisierte May wegen ihres Hin und Her bei der Frage nach einer Neuwahl. Schließlich hatte sich die Premierministerin bislang entschieden gegen eine Neuwahl ausgesprochen. "Dies ist eine Premierministerin, die versprochen hat, dass sie keine (Neuwahl) abhalten wird. Die sagt, es gehe ihr um Führerschaft, aber die ihre Bilanz nicht in einer Fernsehdebatte verteidigen möchte." May hatte bereits am Dienstag erklärt, dass sie nicht an TV-Debatten mit anderen führenden Politikern teilnehmen werde und hat damit reichlich Kritik auf sich gezogen.

Ja zu Neuwahl, nein zu schottischem Referendum

Ian Blackford von der Scottish National Party (SNP) wollte wissen, ob May es für richtig halte, eine vorgezogene Parlamentswahl abzuhalten, aber nicht ein zweites schottisches Unabhängigkeitsreferendum. Entsprechende Forderungen vonseiten der schottischen Landesregierung hat May kürzlich mit dem Hinweis zurückgewiesen, jetzt sei "nicht die Zeit für Abstimmungen". May antwortete, die Parlamentswahl würde die Position Londons bei den Brexit-Verhandlungen stärken. Ein schottisches Unabhängigkeitsreferendum würde die Regierung schwächen. Es gebe eine Wahl zwischen "Stärke und Einheit mit den Konservativen" und "Spaltung und Schwäche mit der SNP".

Bereits am Morgen hatte sich May in einem Interview mit der BBC dazu geäußert, warum sie ihre Position zum Thema Neuwahl verändert hat. May sagte, diese seien "im nationalen Interesse". Sie habe sich nicht leichtfertig dafür entschieden. "Ich bin wirklich widerwillig zu dieser Entscheidung gekommen. Ich habe die Umstände betrachtet und mir den bevorstehenden Verhandlungsprozess (mit der EU) angeschaut." Die Wählerinnen und Wähler sollten ihr "vertrauen" und ihr das Mandat geben, ein "wirklich gutes Abkommen für Großbritannien" zu bekommen. Sie erklärte, warum sie es ablehnt, ihren Kontrahenten in einer Fernsehdebatte entgegenzutreten: "Ich glaube an Kampagnen, bei denen Politiker nach draußen gehen und Wähler treffen."

Politische Kommentatoren fanden Mays Interview nicht überzeugend. Tim Montgomerie, Gründer der Webseite ConservativeHome, schrieb auf Twitter, May habe sich "von einer nichtssagenden Aussage zur nächsten gehangelt". Rowena Mason vom Guardian bemängelte Mays widersprüchliche Haltung zum schottischen Unabhängigkeitsreferendum. Kevin Schofield von der konservativen Nachrichtenwebseite Politicshome schrieb: "May klingt so, als wolle sie eine Wahl, weil sie es nicht mag, eine Opposition zu haben."