Kurz nach seiner Amtsübernahme im Januar vermittelte US-Präsident Donald Trump noch den Eindruck: Ein Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat für ihn keine Priorität. Bilder mit Großbritanniens Premierministerin Theresa May oder Japans Regierungschef Shinzo Abe schienen ihm wichtiger. Eine persönliche Begegnung zwischen den Staatschefs der beiden größten Volkswirtschaften der Welt sollte es – wenn überhaupt – frühestens beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg geben.

Nun hat es der US-Präsident auf einmal sehr eilig. Auf sein Geheiß hat US-Außenminister Rex Tillerson bei dessen Besuch vor zwei Wochen in Peking den chinesischen Staatspräsidenten überraschend auf Trumps Feriendomizil in Mar-a-lago nach Florida eingeladen. An diesem Donnerstag soll das Treffen stattfinden. Grund für diese Eile: ein drohender Krieg mit Nordkorea.

Tatsächlich scheint Trump ein Licht aufgegangen zu sein, wie gefährlich sich die Lage im Fernen Osten in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Im Februar gelang es dem nordkoreanischen Regime in Pjöngjang erstmals, eine Mittelstreckenrakete zu testen, die sehr wahrscheinlich atomare Sprengköpfe transportieren kann. Bei dem Geschoss handelte es sich nach nordkoreanischen Angaben um eine ballistische Mittelstreckenrakete Pukgukson-2 – nach Erkenntnissen von US-Militärexperten ein neuer Typ, der technisch sehr viel leistungsstärker sei als die bislang getesteten Raketen.

Trotz Sanktionen mehr als zwanzig Raketentests

Zwar stürzte sie nach dem Abschuss in Richtung Japan nach rund 500 Kilometern ins Meer. Doch laut südkoreanischen Militärvertretern erreichte sie eine Höhe von 550 Kilometern. Zudem wurde das Geschoss mit einer Technik gestartet, die wahrscheinlich auch den Abschuss von einem U-Boot aus möglich macht.

Im vergangenen Jahr hat Nordkorea trotz internationaler Sanktionen mehr als zwanzig Raketentests durchgeführt – so viele wie nie zuvor. Hinzu kommen zwei unterirdische Atomtests mit heftigen Detonationen, die nach Einschätzung westlicher Experten die Sprengkraft der Hiroshima-Bombe hatten. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un behauptet sogar, im Besitz einer Wasserstoffbombe zu sein. Das bezweifeln die Fachleute jedoch.

Bis wohin die Raketen gelangen könnten: Radien um Nordkorea in Kilometern

Trotzdem sind sie sich einig, dass das völlig isolierte Land schon bald einen nächsten Atomtest durchführen könnte. Kim hat zudem erklärt, dass sein Land kurz vor dem Test einer Interkontinentalrakete stehe mit einer Reichweite von über 9.000 Kilometer. Auch das ist in den Bereich des Möglichen gerückt, das technische Wissen ist nach Ansicht der Nordkorea-Fachleute da. Es hapert nur noch an der Umsetzung. Sollte es dazu kommen, hieße das: Nordkorea könnte Seattle, San Francisco und Los Angeles treffen.

Anstatt aber mit der Führung in Peking eine gemeinsame Linie im Umgang mit Nordkorea zu finden, versucht Trump kurz vor seinem Treffen mit Xi Jinping die chinesische Führung unter Druck zu setzen – und droht mit einem "Alleingang". Entweder werde die chinesische Regierung mit den USA gemeinsame Sache machen oder nicht, sagte Trump in einem Interview mit der Financial Times. "Wenn sie es tun, ist das sehr gut für China, wenn sie es nicht tun, ist es für niemanden gut." Welche Konsequenzen er genau meint, führte er nicht weiter aus. Außenminister Tillerson hatte zuvor die Politik der "strategischen Geduld" für beendet erklärt.

Selbst den Handelsstreit will Trump nun zum Gegenstand der Nordkorea-Verhandlungen machen. Im Wahlkampf hatte Trump den Chinesen vorgeworfen, Arbeitsplätze in den USA zu "stehlen" und sein Land mit unfairen Handelspraktiken zu "vergewaltigen". Er drohte mit Strafzöllen von bis zu 45 Prozent auf chinesische Importe. Ökonomen bezweifeln, dass diese Maßnahme Arbeitsplätze in die USA zurückholen wird. Zuletzt hatte sich Trump in dieser Frage zurückhaltender geäußert. Auf die Frage, welche Angebote er China machen werde, um zu einer gemeinsamen Nordkorea-Politik zu finden, antwortete Trump nun: "Handel ist der Anreiz."