US-Präsident Donald Trump fährt einen harten Kurs gegen die Diktatur in Nordkorea. Dagegen ist erst mal nichts zu sagen, die Regierenden in Pjöngjang sind denkbar unsympathisch. Sie unterdrücken ihr Volk und investieren ihre ohnehin knappen Ressourcen ins Militär, vor allem in Raketen und Atombomben. Sie sichern damit ihre Gewaltherrschaft ab, damit es ihnen nicht ergeht wie anderen Diktatoren, zum Beispiel Libyens Gaddafi oder Assad in Syrien.

Nordkorea - Video simuliert Vernichtung der USA Bei der Geburtstagsfeier des Staatsgründers zeigt Nordkorea die Simulation eines Raketenangriffs mit Atomwaffen. Die USA explodieren im Video in einem Feuerball. © Foto: Screenshot/Reuters TV

Das Ziel der US-Regierung ist es, die Nordkoreaner von der weiteren Entwicklung ihrer Atomraketen abzubringen. Im schlechtesten Fall haben diese irgendwann einmal Langstreckenraketen, mit denen sie die USA treffen könnten. Für die US-Alliierten Südkorea und Japan ist die Militärdiktatur schon jetzt eine Gefahr. Aus diesem Grund droht Trump der Diktatur Kim Jong Uns. Zuletzt damit, dass ein US-Flugzeugträger aus Singapur Richtung Nordkorea losgefahren sei, "wir schicken eine Armada", sagte Trump, "sehr mächtig".

Nun war der Flugzeugträgerverband gar nicht Richtung Korea unterwegs, und es ist auch nicht bekannt, ob er überhaupt noch dort auftauchen wird. Aber unabhängig davon, wie sinnvoll die Aktion wirklich gewesen wäre, hat die Ankündigung der Armada zur Folge, dass die nordkoreanische Vernichtungsrhetorik Richtung der USA das ohnehin angespannte Klima in Nordostasien weiter aufheizt. Gleichzeitig ist die Geschichte auch ein Hinweis auf die Planlosigkeit der Trump-Regierung im Umgang mit dem finsteren Atomstaat.

Denn: Was soll eine martialische Ankündigung, wenn sie gar nicht eintritt? Davon abgesehen, dass die USA jetzt sowieso keinen Krieg vom Zaun gebrochen hätten. Einen Krieg, der wahrscheinlich schlimme atomare Verseuchungen auf der koreanischen Halbinsel wie auch im Grenzland zu China zur Folge gehabt hätte.

Die Waffentests haben rapide zugenommen

Natürlich weiß auch der US-Präsident, dass neben den USA die Volksrepublik China ein Schlüssel zur Lösung der Nordkorea-Krise ist. Bis heute legt die chinesische Regierung eine schützende Hand über den unbequemen Nachbarn, obwohl der politische Einfluss Pekings parallel zur sich entwickelnden Atom- und Waffentechnik Nordkoreas immer mehr abnimmt. Dass es mit den Atomwaffen soweit kommen konnte, war auch nicht im Interesse Pekings – wer will schon einen schwer kontrollierbaren Atomstaat als Nachbarn? Die gefährlichen Waffen haben die Kim-Diktatur zudem selbstbewusst gemacht. Pekings Außenminister Wang Yi und sein Nordkorea-Verhandler Wu Dawei haben zuletzt nicht mal mehr einen Termin in Pjöngjang bekommen.

Es ist auf der anderen Seite nicht so, dass man in Peking vollkommen tatenlos gewesen ist. Der aktuelle Partei- und Staatschef in Peking, Xi Jinping, seit 2012 an der Spitze Chinas, hat sich bis heute nicht mit Nachbar Kim Jong Un getroffen. Und unter Präsident Xi wurden erstmals zumindest halbherzig UN-Sanktionen gegen Nordkorea befolgt, das mit seinen Raketentestes gegen eine UN-Resolution verstößt.

Der in der UN geteilte Sanktionsbeschluss war der Bruch gemeinsamer Traditionen Chinas und Nordkoreas, die auf die 1950er Jahre zurückgehen, als die kommunistischen Parteien beider Länder noch brüderlich miteinander verbunden waren. Heute herrscht in China ein partiell entfesselter Kapitalismus mit starkem Staatssektor, während in Nordkorea ein seltsamer Kult namens Juche-Ideologie gepflegt wird. Die beiden Ex-Bruderstaaten haben sich inzwischen weit voneinander entfernt. Nordkorea hat seit 2006 bereits fünfmal atomare Sprengstoffe gezündet, und Peking konnte dem keinen Einhalt gebieten.

Unter Diktator Kim Jong Un, dem Enkel von Republikgründer Kim Il Sung, haben die Raketen- und Atomtests noch rapide zugenommen. Kim ärgert dabei gern seine Schutzmacht, indem er Raketen an wichtigen Terminen wie dem chinesischen Neujahrsfest starten lässt.

Nordkorea soll erst das Waffenprogramm stoppen

Nun hat Peking zwar keine politischen Mittel mehr, auf die Nordkoreaner einzuwirken, man kann der Diktatur aber dennoch nachhaltig die Grundlage entziehen: Denn Nordkorea ist mehr oder weniger komplett von Öllieferungen aus China abhängig. Genau dies will die Trump-Regierung als Sanktion gegen Pjöngjang durchsetzen, neben einem globalen Bann der staatlichen Fluggesellschaft Air Koryo und einem Fahrverbot für nordkoreanische Handelsschiffe auch auf hoher See, was den Schiffsverkehr für Nordkorea empfindlich einschränken würde.

Ein Ölembargo würde mittelfristig zum Zusammenbruch Nordkoreas führen. Nur ist genau das eine Option, die für die Regierung in Peking nicht infrage kommt. Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch hätte Wanderungsbewegungen nach China zur Folge und würde die Grenze unsicher machen. Mit einem politischen Ende des Kim-Regimes könnte der wirtschaftlich starke Süden Koreas bis an die Grenzen Chinas gelangen. Und da Südkorea ein Alliierter der USA ist, würden auch US-Truppen in den Norden gelangen. All das ist unvorstellbar in Peking, zudem hat man mit dem heutigen Nordkorea noch ein – wenn auch hochgefährliches – Politvehikel, das die US-Verbündeten Japan und Südkorea potenziell in Schach halten kann.

Deshalb wird auch Trumps Lockmittel nicht wirken, indem er eine Kooperation Pekings in der Nordkorea-Frage mit für China lohnenswerten bilateralen Handelsverträgen verknüpft. Im Wahlkampf hatte Trump viele Wähler damit gewonnen, eine protektionistische Handelspolitik einzuführen, America first eben. Doch bis heute ist nicht bekannt, wie diese gestaltet sein könnte – als Verhandlungsoption für eine der großen politischen Krisen muss sie aber schon mal herhalten.

Vielleicht doch einen Burger

Für China ist der gleichzeitig drohende und lockende US-Präsident ein Unsicherheitsfaktor. Trumps Nordkorea-Politik bietet erst mal nichts, was eine ernsthafte Kooperation attraktiv macht. Im Gegenteil, Trumps kriegerische Signale nicht nur gegenüber Nordkorea, auch seine Tomahawks auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe oder die 1.000-Kilo-Bombe, mit der das US-Militär fast 100 IS-Dschihadisten in Afghanistan tötete, haben gewirkt. So sehr, dass unter Regierungsvertretern in Peking zunehmend von einem drohenden Krieg zwischen den USA und Nordkorea die Rede ist.

Am Ende ist aber auch für die Trump-Regierung eine militärische Option viel zu riskant. Der etwas leichtfertige Umgang damit macht die Lösung der Nordkorea-Krise nicht einfacher. Gleichzeitig wird man in Peking auf einen Pufferstaat zu Südkorea beharren. Die erfolgversprechendste Option bleibt daher immer noch direkte Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea, so abstoßend der Gedanke bei dem Kim-Regime auch ist.

Diese wird es aber vorerst nicht geben, denn US-Vizepräsident Mike Pence hat gerade in der Washington Post bekannt gegeben, dass Nordkorea dafür erst sein Raketen- und Atomprogramm aufgeben müsse, was die Regierung in Pjöngjang nicht tun wird. Damit beißt sich die Katze also in den Schwanz. Vielleicht sollte US-Präsident Trump dann doch auf eine seiner Ideen aus dem Wahlkampf zurückkommen: mit Kim Jong Un gemeinsam einen Burger essen, um dabei eine Lösung zu suchen.