China hat die USA vor einem militärischen Vorgehen gegen Nordkorea gewarnt. In einem Kommentar der englischsprachigen Zeitung Global Times, die vom kommunistischen Parteiorgan herausgegeben wird, heißt es: "Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter, als einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten."

Stattdessen wirbt die Zeitung für ein diplomatisches Vorgehen. US-Präsident Donald Trump möge den Druck auf Machthaber Kim Jong Un erhöhen und die Erwartung erzeugen, militärisch vorgehen zu wollen. "Aber wenn Pjöngjang einen verzweifelten Gegenschlag unternimmt, wird Washington in einem Dilemma gefangen", heißt es in dem Kommentar.

Dazu wird auch mit der militärischen Schlagkraft von Nordkorea argumentiert. Dessen Militär sei in der Lage, Südkorea "einen schweren Schlag zu versetzen". Ungeachtet Nordkoreas atomarer Fähigkeiten könne schon der Einsatz einer "schmutzigen Bombe" gegen Südkorea schwere nukleare Verseuchungen verursachen, die für den Verbündeten der USA "unerträglich" sein würden.

Bis wohin die Raketen gelangen könnten

Radien um Nordkorea in Kilometern

In den vergangenen Wochen haben die Spannungen zwischen dem isolierten Nordkorea und den USA zugenommen. Nach mehreren nordkoreanischen Raketentests beorderten die USA einen Flottenverband mit dem Flugzeugträger USS Carl Vinson in die Region. Als Reaktion hatte Nordkorea am Dienstag den Ton verschärft und mit "härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure" gedroht.

Trump droht mit Alleingang

Chinas Präsident Xi Jinping hat in der Vergangenheit bereits mehrfach zu einer friedlichen Lösung im Streit über das nordkoreanische Atomprogramm aufgerufen. Xi sagte in einem Telefonat mit Trump, dass China an dem Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel festhalte, um Frieden und Stabilität zu wahren. Die Regierung rufe aber zu "friedlichen Mitteln" auf, um das Regime Nordkoreas davon abzuhalten, sich Atomwaffen zu beschaffen, zitierten ihn chinesische Staatsmedien.

Die Staatschefs der USA und Chinas hatten sich in der vergangenen Woche auf Trumps Anwesen in Florida getroffen. Der Umgang mit Nordkorea war ein wichtiges Thema der Gespräche, die beiden Seiten konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Vor wenigen Tagen lobte Trump China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt und damit eine Einnahmequelle gestoppt zu haben. Dies sei ein "großer Schritt". Auf Twitter kündigte Trump aber auch an, das Problem notfalls im Alleingang lösen zu wollen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat politische Lösungen angemahnt. Angesichts der wachsenden Spannungen um das Atomprogramm Pjöngjangs sagte Merkel den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Ich setze nicht auf militärische Mittel, sondern darauf, dass von verschiedenen Seiten starker politischer Druck auf Nordkorea ausgeübt wird." Das Regime in Nordkorea verstoße permanent gegen UN-Resolutionen, kritisierte Merkel. "Die Welt hat ein Interesse daran, zu verhindern, dass Nordkorea sich nuklear bewaffnet."

Weiterer Atomwaffentest?

Nach Einschätzung von US-Experten trifft das nordkoreanische Militär derzeit Vorbereitungen für einen weiteren Atomtest. Das Testgelände Punggye-ri im Nordostendes Landes sei "vorbereitet und bereit", teilten Experten von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mit. Auf Satellitenbildern vom Mittwoch seien "andauernde Aktivitäten" am Nordportal der Anlage, "neue Aktivitäten" im Hauptverwaltungsbereich und "einige Mitarbeiter" am Kommandozentrum zu sehen gewesen. Offenbar sei bereits ein atomarer Sprengsatz in einen Tunnel geschoben, berichtete der US-Auslandssender Voice of America unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Er könne am Samstagmorgen nordkoreanischer Zeit gezündet werden. Am Samstag wird in Nordkorea der 105. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung gefeiert.

Nordkorea provoziert mit seinem Raketen- und Atomprogramm seit Jahren. Die kommunistische Regierung hatte erst am Mittwoch zum wiederholten Mal eine ballistische Testrakete in Richtung offenes Meer feuern lassen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion. Seit 2006 hat das Land insgesamt fünf Atomwaffentests durchgeführt. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

Internationale Beziehungen - Nordkorea droht erneut den USA Im nordkoreanischen Fernsehen sind "katastrophale Konsequenzen" angekündigt worden, sollten die USA weitere Schritte unternehmen. Vor zwei Tagen hatte die US-Marine einen Flugzeugträger vor die koreanische Halbinsel verlegt. © Foto: KCNA via Reuters