Pjöngjang - Nordkorea testet trotz Warnungen erneut Rakete Trotz des Drucks aus den USA und China hat Nordkorea erneut eine Rakete getestet. Nach amerikanischen und südkoreanischen Angaben zerbrach sie am Samstag wenige Minuten nach dem Start. © Foto: KCNA/Reuters

Ein erneuter Raketentest Nordkoreas ist nach Angaben Südkoreas und der USA gescheitert. Die Rakete sei "Sekunden nach dem Abschuss explodiert", meldete die Nachrichtenagentur Yonhap. Die Rakete habe nach dem Start nördlich der Hauptstadt Pjöngjang eine Höhe von höchstens 71 Kilometern erreicht, bevor sie in der Luft auseinandergebrochen sei. Auch das US-Pazifikkommando bestätigte den Start der Rakete, "die nordkoreanisches Territorium nicht verlassen" habe. US-Militärs gehen von einer Mittelstreckenrakete des Typs KN-17 aus.

Trotz des gescheiterten Raketentests hält Nordkorea laut seiner Staatsmedien am Ziel fest, eine Nuklearrakete zu entwickeln, die das US-Festland erreichen kann. Bei einer Militärparade Mitte April seien zwei neue Typen ballistischer Interkontinentalraketen präsentiert worden, berichtet die Zeitung Rodong Sinmun. Die riesige Fläche der USA läge für präventive Nuklearschläge völlig ungeschützt, hieß es in dem Bericht.

Mit dem verbotenen Raketenstart fordert Nordkorea die US-Regierung von Präsident Donald Trump erneut heraus. Der US-Präsident sieht im Vorgehen vor allem aber eine Respektlosigkeit gegenüber China. Nordkorea missachte mit dem Test einer ballistischen Rakete die Wünsche Chinas und dessen "hoch respektierten Präsidenten", schrieb Trump auf Twitter. Der Test sei zwar nicht erfolgreich gewesen, trotzdem sei er schlecht, teilte Trump mit.

Kurz zuvor hatten die USA von der Weltgemeinschaft einen schärferen Kurs gegen Nordkorea gefordert. Wenn das Land nicht zur Aufgabe seines Atom- und Raketenprogramms gezwungen werde, könne das "katastrophale Konsequenzen" haben, sagte US-Außenminister Rex Tillerson bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Auch US-Präsident Donald Trump hatte die Gefahr eines "großen, großen Konflikts mit Nordkorea" betont. China teilte mit, dass auch die USA einlenken müssten, damit der Konflikt nicht eskaliere.

Stoltenberg schließt Nato-Einsatz aus

Unterdessen hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ein Engagement des Militärbündnisses im Nordkorea-Konflikt ausgeschlossen. "Ich habe vergangene Woche viele Stunden im Weißen Haus verbracht und ich kann versichern, dass es keinerlei Debatte über eine Rolle der Nato hinsichtlich Nordkorea gab", sagte Stoltenberg der Welt am Sonntag.

Der Nato-Chef warf der nordkoreanischen Führung vor, mit ihrem Vorgehen die gesamte Region zu destabilisieren. "Die Nato verurteilt Pjöngjangs unverhohlenen und anhaltenden Verstoß gegen UN-Resolutionen", sagte der ehemalige norwegische Ministerpräsident. "Unser stärkster Verbündeter, die USA, sind jetzt in der Region aktiv, sie haben Truppen in Südkorea und bauen jetzt ein Thaad-Raketenabwehrsystem dort auf."

US-Außenminister Tillerson forderte eine neue Strategie, um Nordkorea dazu zu bringen, sein Nuklearprogramm aufzugeben. Alle UN-Mitgliedsstaaten müssten "ab sofort" bereits bestehende Sanktionen gegen Nordkorea besser umsetzen, das Land darüber hinaus weiter "finanziell isolieren" und alle diplomatischen Beziehungen "aussetzen oder herunterstufen". Wer sich nicht daran halte, dem drohten die USA ebenfalls mit Sanktionen. Tillerson betonte, dass er eine diplomatische Lösung vorziehe, aber "alle Optionen" auf dem Tisch bleiben müssten.

China, Nordkoreas wichtigster Handelspartner und Lieferant für Hilfsgüter, hielt dagegen. "Der Einsatz von Gewalt ... wird nur zu größeren Katastrophen führen", sagte der chinesische Außenminister Wang Yi. Dialog und Kompromissbereitschaft müsse von allen Seiten kommen. Washington hofft vor allem auf die Mithilfe Chinas, um Nordkorea zum Einlenken zu bringen.

Chinas Außenminister hofft auf diplomatische Gespräche

Peking will zwar auch ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms, fürchtet aber, dass eine Destabilisierung des Nachbarlandes unter anderem eine Fluchtwelle über die gemeinsame Grenze auslösen könnte. Eine Behauptung Tillersons, wonach China Nordkorea mit eigenen Sanktionen gedroht und damit seine Nordkorea-Politik dramatisch verschärft habe, kommentierten chinesische Diplomaten nicht.

Außenminister Wang Yi Wang brachte erneut die Möglichkeit der Wiederaufnahme von diplomatischen Gesprächen ins Spiel. "Jetzt ist die Zeit, sich ernsthaft zu überlegen, die Gespräche wiederaufzunehmen", sagte der chinesische Außenminister. Er betonte, bei dem Thema sei eine "hohe Alarmstufe" erreicht. China habe bei der Lösung des Problems zwar eine "besondere Rolle", aber der Schlüssel liege nicht in seinem Land. US-Außenminister Tillerson zeigte sich jedoch nicht geneigt, "das Verhalten Nordkoreas mit Gesprächen zu belohnen".

Die USA befürchten, dass Nordkorea bei seinem Atom- und Raketenprogramm größere Fortschritte gemacht hat als bislang angenommen und in den kommenden Jahren technisch soweit sein könnte, eine Langstreckenrakete mit einem Nuklearsprengstoff bis auf das amerikanische Festland zu schießen.