In Paraguay sind nach schweren Ausschreitungen der Innenminister und der Polizeichef des Landes entlassen worden. Hintergrund ist der Tod eines 25-jährigen Demonstranten, der am Wochenende in der Hauptstadt Asunción von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen worden war. Staatspräsident Horacio Cartes teilte auf Facebook mit, der Tod des Mannes sei durch nichts zu rechtfertigen. Die Verantwortlichen würden zu Rechenschaft gezogen. Neben Innenminister Tadeo Rojas und Polizeichef Críspulo Sotelo wurden auch vier Polizeibeamte entlassen. Cartes erklärte, er werde sich selbstkritisch hinterfragen. Zudem rief er zu Ruhe auf, die Demonstranten bezeichnete er als Barbaren. Die Demokratie werde weder "mit Gewalt erobert noch verteidigt", fügte der Staatschef hinzu.

Auslöser der schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei war eine geplante Verfassungsänderung, die Cartes eine zweite Amtszeit ermöglichen soll. Der Senat stimmte am Freitag in einer nichtöffentlichen Sitzung für den Schritt. Auch im Abgeordnetenhaus wird bei der Abstimmung in der neuen Woche eine Mehrheit erwartet. Zudem ist eine Volksabstimmung nötig. Nach der Entscheidung des Senates stürmten Demonstranten das Parlamentsgebäude und setzten es in Brand. Es gab zahlreiche Verletzte, darunter auch Politiker.

Paraguay hat 6,8 Millionen Einwohner und liegt zwischen Brasilien und Argentinien. Das Land wurde bis 1989 vom deutschstämmigen Diktator Alfredo Stroessner regiert und bekam 1992 eine Verfassung, die eine zweite Amtszeit des Präsidenten ausschließt. Kritiker befürchten bei einer Änderung eine Beschädigung der Demokratie. Sie argumentieren, die Abstimmung im Senat sei illegal gewesen.