Am Sonntag wird in Serbien ein neuer Präsident gewählt. Klarer Favorit für das Amt ist der amtierende Ministerpräsident Aleksandar Vučić. Nach jüngsten Umfragen der Agentur Demostat kann der 47-Jährige derzeit 56,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Damit könnte Vučić die Wahl bereits in der ersten Runde gewinnen.

Vučić, einst unter Slobodan Milošević Informationsminister, ist seit 2012 Vorsitzender der proeuropäischen Serbischen Fortschrittspartei (SNS). Er verspricht Reformen, um eine Mitgliedschaft in der EU zu ermöglichen. Gleichzeitig will er aber auch die Beziehungen zu Moskau, dem traditionellen Verbündeten Serbiens, stärken. Kürzlich besuchte er den russischen Präsidenten Wladimir Putin und vereinbarte Rüstungslieferungen. 

Loyaler Gefolgsmann als Nachfolger

Als Ministerpräsident kann er auf eine Zweidrittelmehrheit im Parlament bauen und koordiniert zudem die Geheimdienste. Wenn die Serben Vučić zum Präsidenten wählen, würde dieser nach nur sieben Monaten als Regierungschef an die Staatsspitze wechseln.

Beobachter gehen davon aus, dass er im Falle eines Wahlerfolgs einen ihm loyalen Gefolgsmann als nominellen Regierungschef einsetzen wird. Ein solches Modell, bei dem der Staatspräsident trotz Verfassungsvorschriften der mächtigste Mann im Staat ist, gab es bereits unter Boris Tadić von der Demokratischen Partei (DS). Tadić war von 2004 bis 2012 serbischer Präsident.

Von der Opposition wird Vučić vorgeworfen, Wähler einzuschüchtern und Medien mundtot zu machen. Der einstige Ultranationale Vučić präsentiert sich selbst als harter, aber gerechter Staatsmann, der sich unermüdlich für sein Land einsetzt und Anschluss an die Europäische Union sucht. "Ich hoffe wirklich, dass diese Wahl Serbien zu mehr Stabilität führen wird, mit voller Unterstützung der Regierung", sagte Vučić bei der Stimmabgabe. "Ich weiß nicht, ob ich gewinnen werde, aber ich hoffe, dass jene, die Serbien destabilisieren wollen, erfolglos bleiben."

Tief zerstrittene Opposition

Abgesehen von Vučić kommt keiner der anderen Präsidentschaftskandidaten Umfragen zufolge auf zweistellige Unterstützungswerte. Insgesamt tritt die tief zerstrittene Opposition mit zehn Kandidaten bei der Wahl an.

Stärkster Oppositionskandidat ist laut der Umfrage der 25-jährige Medienstudent und Politik-Newcomer Luka Maksimović von der Satirepartei (SPN) mit 9,5 Prozent. "Möge der beste Kandidat gewinnen – und ich bin der beste", sagte Maksimović nach seiner Stimmabgabe.

Maksimović tritt als groteske Parodie eines Politikers auf: in weißem Anzug, mit übertrieben großem Schmuck und eigenwilliger Frisur. Unter dem Künstlernamen Ljubiša Preletačević verbreitete er seine Wahlkampfvideos vor allem über soziale Medien. Beliebt ist Maksimović vor allem bei jungen Serben, die nach Jahrzehnten der Wirtschaftskrise das Vertrauen in die Politik verloren haben.

Als der einzige Oppositionskandidat, der für den Fall, dass es zu einer Stichwahl käme, Vučić gefährlich werden könnte, gilt der Menschenrechtsanwalt und Ombudsmann der Regierung, Saša Janković. Er tritt als unabhängiger Kandidat auf. "In Serbien wurde eine neue, ehrliche politische Bewegung gegründet, und das ist der Grund, warum wir optimistisch sein sollten", sagte Janković.

Außerdem tretender ehemalige Außenminister Vuk Jeremić von der Demokratischen Partei (DS) und der Ultranationalist Vojislav Šešelj von der Serbischen Radikalen Partei (SRS) an. Šešelj gilt als ehemaliger Mentor von Vučić und war wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

Geringe Wahlbeteiligung zeichnet sich ab

Am Sonntag zeichnete sich eine geringe Wahlbeteiligung ab. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission gaben bis 10 Uhr 9,7 Prozent der 6,7 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Die Wahl wurde mit nur einem Monat Vorlauf angesetzt, sodass die Oppositionskandidaten erst noch viele Tage brauchten, um die 10.000 Unterschriften zu sammeln, die für die Kandidatur benötigt werden. Die staatliche Wahlkommission wird mit zwölf von 17 Mitgliedern von der Regierung beherrscht. Sollte es zur Stichwahl kommen, würde diese am 16. April stattfinden.