Die türkische Regierung hat fast 4.000 Staatsbeamte entlassen. Laut einem am Samstag veröffentlichten Dekret wurden 3.974 Staatsbedienstete freigestellt, darunter mehr als tausend Mitarbeiter des Justizministeriums und mehr als tausend Militärs. In dem Dekret war jeder einzelne Entlassene namentlich aufgeführt. Als Begründung für das Dekret führte die türkische Regierung das Vorgehen gegen den mutmaßlichen Putsch-Versuch im Sommer 2016 an.

Seit Monaten geht die türkische Regierung gegen mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung vor. Die Türkei macht den seit Jahren in den USA lebenden geistlichen Führer Fethullah Güllen für den gescheiterten Putschversuch vom vergangenen Juli verantwortlichen. Deshalb wurden seit dem Putschversuch zehntausende vermeintliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen.

Erst am Mittwoch hatte die Polizei bei landesweiten Razzien mehr als tausend Verdächtige festgenommen, tausende weitere wurden per Haftbefehl gesucht. Am selben Tag suspendierte die Polizei in den eigenen Reihen mehr als 9.100 Polizeibeamte, weil sie angeblich Verbindungen zum Gülen-Netzwerk haben sollen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte nach dem Putschversuch angekündigt, den Staatsapparat von Gülen-Anhängern zu "säubern". Seitdem kommt es immer wieder zu Festnahmen. Nach offiziellen Angaben von Anfang des Monats wurden seit Juli mehr als 47.000 Verdächtige wegen angeblicher Gülen-Verbindungen in Untersuchungshaft genommen. Rund 100.000 Beschuldigte wurden aus dem Staatsdienst entlassen.

Außerdem wurde am Samstag die Website von Wikipedia in der Türkei gesperrt. Beim Abrufen der Website werde darauf hingewiesen, dass der Zugang aufgrund eines Gerichtsbeschlusses nicht zu erreichen sei.