Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat erstmals auf die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe reagiert und diese scharf zurückgewiesen. Die Anschuldigungen, er kontrolliere ein großes Immobilienimperium, seien "Quatsch", sagte Medwedew bei einem Besuch im zentralrussischen Tambow. Die Vorwürfe seien eine Kampagne mit dem Ziel, "die Menschen auf die Straßen zu treiben und politische Ziele zu erreichen".

Der Regierungskritiker und Blogger Alexej Nawalny hatte in einem millionenfach aufgerufenen Internetvideo behauptet, Medwedew kontrolliere über ein undurchsichtiges Netzwerk von Stiftungen ein verstecktes Immobilienimperium. In dem Video bezichtigt Nawalny den Regierungschef, sich über Strohmänner große Landsitze und Reichtümer verschafft zu haben. Nawalny prangert seit Jahren Korruption in Russland an. Er will bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr als Kandidat antreten.

Am 26. März hatte Nawalny Tausende Menschen zu Protesten gegen die russische Führung und Korruption in Russland mobilisiert. Es waren die größten Proteste seit mehreren Jahren. Die Demonstrationen waren nicht genehmigt, mehr als tausend Teilnehmer wurden allein in Moskau festgenommen, darunter Nawalny selbst. Mehrere Festgenommene wurden zu bis zu 25 Tagen Haft verurteilt. Nawalny sitzt derzeit eine 15-tägige Haftstrafe ab.

Medwedew sagte in seinen vom Fernsehen übertragenen Äußerungen über Nawalny: "Dieser Charakter sagt: 'Alle sind schrecklich, wählt mich zum Präsidenten.' Dazu treibt er die Leute auf die Straße, oft Minderjährige, was einer Straftat gleichkommt, und macht sie zu Geiseln seines politischen Programms."