Wie sehr hat die russische Regierung Einfluss auf den US-Wahlkampf genommen? Mit dieser Frage beschäftigen sich sowohl der Geheimdienstausschuss des US-Senats als auch der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses. Dessen Chef, Devin Nunes, wird die Untersuchungen zu den möglichen russischen Interventionen und die Verbindungen von US-Präsident Donald Trump zu Russland jedoch nicht leiten.

Es sei im "besten Interesse" des Ausschusses sowie des Repräsentantenhauses, wenn er die Untersuchung vorläufig aus der Hand gebe, sagte Nunes in Washington. Sein Parteikollege Mike Conaway solle nun die Untersuchung leiten.

Als Grund für seinen Rückzug nannte Nunes, seine Auseinandersetzung mit den Beschwerden, die beim Ethikbüro des Kongresses gegen ihn eingereicht worden seien. Diese Beschuldigungen stammten von "linksgerichteten Aktivistengruppen" und seien "völlig falsch und politisch motiviert". Nunes, wie Trump auch Republikaner, war von den Demokraten vorgeworfen worden, nicht objektiv zu sein. Er war vor dem Amtsantritt Trumps Teil von dessen Übergangsteam.

Bei der Russland-Untersuchung war ihm von Demokraten und anderen Gruppierungen vorgeworfen worden, er habe den Fokus auf angebliche Fehler der Regierung von Barack Obama lenken wollen. Ende März teilte Nunes mit, bei einer Abhöraktion der Regierung von Obama gegen ausländische Ziele seien "beiläufig" auch Mitarbeiter des Trump-Teams abgehört worden. Er zeigte sich "beunruhigt" darüber, dass in den entsprechenden Geheimdienstberichten die Namen der Trump-Mitarbeiter nicht unkenntlich gemacht worden seien, und äußerte den Verdacht, dass damit gegen Vorschriften verstoßen worden sei.

Präsident Trump wertete diese Angaben als Bestätigung seines Vorwurfs, er sei von Obama bespitzelt worden. Nunes selbst sagte, es gebe weiterhin keine Belege dafür, dass der frühere Präsident einen Lauschangriff auf den New Yorker Trump Tower angeordnet habe oder dass Trump oder seine Mitarbeiter das direkte Ziel von Bespitzelungen gewesen seien.

Nunes wurde von den Demokraten dafür kritisiert, dass er die von ihm eingesehenen Dokumente mit den Namen der Trump-Mitarbeiter nicht zuerst seinen Ausschusskollegen gezeigt hatte, bevor er den Präsidenten darüber informierte. Später stellte sich heraus, dass er die von ihm zitierten und dem Weißen Haus präsentierten Schriftstücke von Mitarbeitern des Weißen Hauses erhalten hatte.

Die Russland-Affäre wird vom Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses und vom Geheimdienstausschuss des Senats untersucht. Außerdem ermittelt die Bundespolizei FBI. Durch die Affäre ist die Trump-Regierung seit ihrem Amtsantritt im Januar immer wieder in die Kritik geraten. So musste der Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn nach nur dreieinhalb Amtswochen zurücktreten, weil er über Telefonate, die er mit dem russischen Botschafter noch vor Trumps Amtsantritt geführt hatte, die Unwahrheit gesagt hatte.