Kurz nachdem der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny seine Haftstrafe abgesessen hat, muss er eine erneute Verhaftung fürchten. Der russische Oligarch Alischer Usmanow hat eine Verleumdungsklage gegen ihn eingereicht. Sie richte sich auch gegen Nawalnys Fonds zur Bekämpfung der Korruption, sagte eine Gerichtssprecherin in Moskau der Agentur Interfax.

Die Holding des usbekischstämmigen Milliardärs Usmanow teilte mit, dass die Anschuldigungen nicht der Wahrheit entsprächen und Nawalny vor Gericht Beweise vorlegen müsse. Sollte es zu einem Prozess kommen, sei Nawalny bereit, vor Gericht zu erscheinen, sagte seine Sprecherin. "Wir sind überzeugt, dass wir die Korrektheit im Laufe der Verhandlung beweisen können", sagte sie. Nawalny twitterte, seine Anwälte würden als ersten Zeugen Ministerpräsident Dmitri Medwedew vor Gericht aufrufen lassen. Dieser hatte die Vorwürfe ebenfalls bestritten.

Nawalny hatte im März mit einem Video für Aufsehen gesorgt, in dem er korrupte Geschäftsbeziehungen von Usmanow und Regierungschef Medwedew aufzeigte. Das Video hatte zur größten Protestbewegung seit vielen Jahren in Russland geführt. Zehntausende demonstrierten in 100 Städten gegen Korruption. Alexej Nawalny war wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 15 Tagen Haft und einer Geldstrafe von 20.000 Rubel (320 Euro) wegen der Organisation einer nicht genehmigten Demo in Moskau verurteilt worden. Er will im nächsten Jahr bei den russischen Präsidentschaftswahlen kandidieren.

Der Oppositionsführer rief unterdessen zu erneuten Protesten in ganz Russland auf. Am 12. Juni, dem russischen Nationalfeiertag, sollen sich die Demonstranten versammeln. Nawalny teilte mit: "Lasst uns am 12. Juni auf die Straße gehen – mit unseren bisherigen Slogans und unter der Nationalfahne", schrieb Nawalny in seinem Aufruf. Zwei Monate blieben bis zur Vorbereitung. Diesmal würden mehr Städte und mehr Menschen teilnehmen.