Sean Spicer - Trump-Sprecher sorgt mit Hitler-Vergleich für Empörung Auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte Spicer, dass nicht einmal Hitler daran gedacht hätte, Chemiewaffen einzusetzen. Später teilte er mit, er habe keineswegs versucht, das abscheuliche Wesen des Holocausts abzuschwächen. © Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, hat mit einem Vergleich zwischen Adolf Hitler und dem syrischen Diktator Baschar al-Assad für Empörung gesorgt. Nicht einmal jemand, der so "verabscheuungswürdig" gewesen sei wie Hitler, sei "so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden", sagte Spicer bei einer Pressekonferenz in Washington. Hitler ließ während des Holocaust Juden in Gaskammern ermorden, insgesamt wurden sechs Millionen Juden von den Nationalsozialisten umgebracht.

Noch während der Pressekonferenz versuchte Spicer auf Nachfrage, seine Bemerkung zurechtzurücken, verstrickte sich aber weiter: "Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft." Mit dem Begriff "Holocaust-Zentren" meinte Spicer offensichtlich die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

Wenig später bemühte Spicer sich schriftlich um Klarstellung: "Ich habe in keiner Weise versucht, die Abscheulichkeit des Holocausts zu schmälern", erklärte er. Es sei ihm um eine Unterscheidung zu der Taktik gegangen, chemische Waffen über Bevölkerungszentren einzusetzen. "Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unentschuldbar", fügte er hinzu.

Den faktisch falschen Vergleich hatte Spicer gezogen, als er Russland dafür kritisierte, auch nach dem Giftgasangriff in Idlib an Assad festzuhalten. Er betonte, Russland gerate immer schneller auf die "falsche Seite" der Geschichte.

Jüdische Organisation fordert Rücktritt

Die Äußerungen haben scharfe Reaktionen provoziert. Das Anne-Frank-Zentrum in New York warf Spicer vor, den Holocaust zu leugnen und forderte auf Twitter seine sofortige Entlassung. Das American Jewish Committee nannte den Vorfall in einer Twitter-Nachricht unerhört und forderte eine Entschuldigung. Auch die Fraktionschefin der Demokraten, Nancy Pelosi, forderte Spicers Rückzug. "Während jüdische Familien in den USA das Pessach-Fest feiern, spielt der Sprecher des Weißen Hauses die Schrecken des Holocausts herunter", erklärte sie. Trump müsse sich von den Worten distanzieren.

Im Fernsehsender CNN entschuldigte sich Spicer später für seine Äußerungen. Er habe "fälschlicherweise" einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust hergestellt, sagte Spicer. "Es gibt keinen Vergleich", fügte Spicer hinzu. "Dafür entschuldige ich mich. Es war ein Fehler, das zu tun."