Der serbische Premierminister Aleksandar Vučić hat die Wahl zum serbischen Staatspräsidenten gewonnen. Ersten Hochrechnungen des Instituts Ipsos Strategic Marketing zufolge kommt der 47-Jährige auf mehr als die Hälfte der Wählerstimmen. Einem Zwischenstand der Wahlkommission zufolge erreichte er 57 Prozent. Damit ist Vučić schon nach der ersten Runde das Präsidentenamt sicher. Er umgeht so auch eine Stichwahl, die in zwei Wochen stattgefunden hätte.

Der Präsident hat in Serbien überwiegend zeremonielle Aufgaben. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass es Vučić nicht dabei belassen und stattdessen – ähnlich wie Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei – die verfassungsmäßige Rolle des Präsidenten deutlichen stärken wird. Die Opposition kritisierte deshalb bereits im Vorfeld der Wahl die sich anbahnende Machtfülle Vučićs.

Seit 2014 war der Konservative serbischer Ministerpräsident, der den Balkanstaat aus der traditionell engen Verbindung zu Russland lösen und zu einem Mitglied der Europäischen Union machen will. Seinen Anhängern gilt Vučić als kühler Kopf, der in einer politisch instabilen Region Kurs hält. Er selbst inszeniert sich als harter, aber gerechter Staatsmann, der sich unermüdlich für sein Land einsetzt.

Kritiker werfen ihm indes einen Hang zum autoritären Führungsstil vor. Er soll Wähler eingeschüchtert und Medien mundtot gemacht haben. Dies gilt bereits für seine Zeit als serbischer Informationsminister Ende der neunziger Jahre. Auch in dieser Position soll er kritische Stimmen gegenüber der Regierung, vor allem wegen ihrer Politik während des Kosovo-Kriegs, im Keim erstickt haben.

Vučić verspricht sich von seinem proeuropäischen Kurs auch einen Schub für die Wirtschaft seines Landes, wo viele Serben noch immer unter Armut leiden, auch wenn sich die ökonomische Lage stabilisiert. Letztendlich konnte sich der Konservative bei der Wahl am Sonntag mit seinem Programm gegen seine Gegner durchsetzen. So kam der ehemalige Menschenrechtsombudsmann des Landes, Janković, auf 14 Prozent der Stimmen. Dritter wurde der 25-jährige Student Luka Maksimović.