Die Meldung rüttelte die Washingtoner Politiker aus den Vorbereitungen für den anstehenden Staatsbesuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping. Stephen Bannon, ehemaliger Herausgeber der rechtspopulistischen Seite Breitbart und düsterer Visionär im Beraterteam von Trump, verliert einen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat. Bannon, der bis dahin fast uneingeschränkten Einfluss im Team von Donald Trump genoss, schrumpft mit diesem Schritt langsam auf Normalmaß zurück.

Als Donald Trump den Chefstrategen seines Wahlkampfteams zum engsten Berater im Oval Office kürte, ärgerten sich vor allem die Demokraten. Die Republikaner waren zumindest erstaunt. Der Ex-Herausgeber, Ex-Banker und Ex-Filmproduzent war bis dahin vor allem mit apokalyptischen Äußerungen und kompromisslosen Positionen gegen Handel, gegen Einwanderung und gegen Europa aufgefallen. Dass er nun das ständige Ohr des Präsidenten haben sollte, machte viele unruhig.

Bannons Ernennung galt als Tabubruch

Doch spätestens im Januar, als Trump seinen Vertrauten in den Nationalen Sicherheitsrat berief, waren beiden Seiten der politischen Elite – Demokraten wie Republikaner – gleichermaßen alarmiert. Der Rat ist das zentrale Steuerungsinstrument der amerikanischen Innen- und Außenpolitik. Nicht umsonst sitzen in dem Gremium neben führenden Kabinettsmitgliedern in der Regel vor allem altgediente Militärs und Geheimdienstoffizielle, welche die Amtszeiten der Präsidenten im Weißen Haus überdauern.

Eine Politisierung des Sicherheitsrates galt – wie so vieles vor Trump – angesichts der Tragweite der diskutierten Themen als absolutes No-Go. Bannons Anwesenheit verletzte dieses Prinzip. In einer Regierung, in der Fakten nur gelten, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen, drohte eines der letzten unabhängigen Organe zum Instrument der düsteren Visionäre um Trump zu werden. Und die Befürchtungen schienen sich in den vergangenen Wochen zu bestätigen. Führende Vertreter der Geheimdienste und des Pentagons verloren mit der Ernennung Bannons ihren Sitz in dem Rat. Der Einfluss von General H.R. McMaster, der nach dem Rücktritt von Michael Flynn das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters übernommen hatte und damit den Rat zumindest pro Forma leitete, schien zu schwinden.

Der Druck auf Trump könnte zu groß geworden sein

Offiziell heißt es zur Begründung aus dem Weißen Haus, Bannon habe vor allem eine "Re-Organisation" des Sicherheitsrates leiten sollen. Diese sei nun abgeschlossen. Ganz glaubhaft war die Erklärung nicht, zumal nun gleich mehrere Vertreter des Geheimdienst- und Verteidigungsapparates zurück in das Gremium geholt wurden, die erst vor wenigen Wochen mit derselben Begründung ihren Posten verloren hatten. Wahrscheinlicher ist, dass Berichte aus den vergangenen Tagen den Druck auf Veränderungen erhöht haben. Mitglieder des Rates hatten relevante Informationen über die Einflussnahme Russlands genau an jenen Ausschussvorsitzenden weitergereicht, der die Rolle Moskaus untersucht.

Dass McMaster seine Macht als Nationaler Sicherheitsberater mit der heutigen Entscheidung ausbaut, sollte das gemäßigte Establishment nicht nur in Washington beruhigen. McMaster gilt als unabhängiger Denker ohne alte Loyalitäten zu Trump, der nicht davor zurückschreckt, Mehrheitsmeinungen in der Regierung zu widersprechen, selbst wenn es der eigenen Karriere schadet. McMaster kritisierte den Kurs der USA in Vietnam ebenso wie den desaströsen Einmarsch in den Irak. Er war es auch, der Trump – vergeblich – dazu bewegen wollte, auf unpräzise und riskante Formulierungen wie "radikal-islamischer Terrorismus" zu verzichten.

Colin Kahl, Nationaler Sicherheitsberater des ehemaligen Vize-Präsidenten Joe Biden, hatte schon nach McMasters Ernennung die Hoffnung geäußert, ab jetzt kümmere sich eine "Achse der Erwachsenen" um die Außenpolitik von Donald Trump. Ob die heute begonnene Machtverschiebung so weit geht, kann jetzt noch nicht abschließend bewertet werden. Aber klar ist: Mit dem Ausscheiden von Bannon aus dem Sicherheitsrat verliert die Achse der Ideologen an Bedeutung.