Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die Türkei als ein Schlüsselland für die Sicherheit in Europa und für das Militärbündnis hervorgehoben. Die Türkei komme weiterhin ihren Verpflichtungen nach und liefere einen wichtigen Beitrag zu Nato-Operationen, sagte Stoltenberg der Welt am Sonntag.

"Das Land ist wegen seiner geografischen Lage nahe an den Krisenherden Syrien und Irak und wegen seiner militärischen Fähigkeiten von immenser Bedeutung für den Kampf gegen die Terrormiliz 'Islamischer Staat' (IS) und für die Stabilität an der Südgrenze des Bündnisgebietes", sagte Stoltenberg.

Außerdem grenze die Türkei an die strategisch bedeutsame Schwarzmeerregion und sei deshalb für das Verhältnis zu Russland für das Bündnis wichtig. Auch im Mittelmeer spiele die Türkei bei der Umsetzung des Flüchtlingsabkommens mit der Europäischen Union eine zentrale Rolle.

Forderung nach gegenseitigem Respekt

Zur Kritik aus dem Westen an der Politik der türkischen Führung sagte Stoltenberg: "Bedenken Sie bitte, dass kein anderes Nato-Land so stark von Terroristen angegriffen wurde wie die Türkei. Das Land hat das Recht, sich selbst zu verteidigen und diejenigen zu verurteilen, die sich an dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 beteiligt haben. Aber das muss nach rechtsstaatlichen Prinzipien erfolgen." Stoltenberg ermutige alle Alliierten, "gegenseitig Respekt zu zeigen, ruhig zu bleiben und eine abgewogene Herangehensweise zu wählen".

Für ihn als Nato-Generalsekretär sei es wichtig, dass die Allianz trotz unterschiedlicher Auffassungen in einigen politischen Fragen immer wieder gezeigt habe, dass sie in der Lage sei, über die Kernaufgabe des Bündnisses Übereinstimmung zu finden: "Wir stehen zusammen und sind jederzeit bereit, uns gegenseitig zu verteidigen. Wir sollten uns vor allem auf das konzentrieren, was uns eint."

Nato-General Curtis Scaparrotti hatte im Dezember darauf verwiesen, dass der gescheiterte Militärputsch in der Türkei erhebliche Auswirkungen auf die Kommandostrukturen des Bündnisses habe. Seit dem 15. Juli habe das Land aus militärischen Nato-Hauptquartieren rund 150 zum Teil sehr erfahrene türkische Soldaten zurückgezogen, sagte der Oberbefehlshaber der Bündnisstreitkräfte in Europa.